Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1002931
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Vorsichtsmassregeln beim Marsche. 
wenn sie sich irgendwie verrätherisch erweisen, und ihnen Geschenke 
versprechen, wenn sie sich gut führen sollten. Die dritte Vorsicht 
besteht darin, dass man mehrere kluge, dem Fürsten treu ergebene 
und im Kriege erfahrene Männer bei sich hat, mit deren Beirath der 
Heerführer das betreibt, was ihm auszuführen erforderlich scheint. 
Denn wo man so grosse Gefahr läuft, soll Keiner auf seinem Kopfe 
bestehen, und sich allein glauben. Viertens müssen die Strassen 
unbekannt bleiben, welche das Heer marschiren soll. Denn je weniger 
der Rathschluss des Heerführers öffentlich bekannt ist, desto weniger 
wird, was im Rathe beschlossen, gehindert und desto eher zum rechten 
Ziele geführt. Nachdem also berathen ist, auf welchen Strassen das 
Heer marschiren soll, und jene Strassen der Heerführer verzeichnet 
oder abgemalt bei sich hat, man einige treue Führer besitzt, je 
weniger das öHentlich bekannt, je mehr es vor den Feinden ver- 
heimlicht wird, desto sicherer wird das Heer seinen Marsch vollführen. 
Fünftens muss man in jeder Befestigung und in jedem Schlachthaufen 
einige sehr treue und sehr tüchtige Reiter haben, die auf schnellen 
und starken Rossen vorn und hinten, rechts und links streifen, recog- 
nosciren, die Hinterhalte entdecken, damit nicht die Feinde an irgend 
einer Stelle versteckt das Heer belästigen können. Denn wenn auch 
der Plan des Führers niemanden bekannt ist, so kann doch schon 
allein daraus, dass auf einigen Strassen das Heer den Vormarsch be- 
ginnt, geschlossen werden, durch welche Landestheile der Marsch 
gerichtet ist. Und da es wahrscheinlich ist, dass immer unter solchen 
Verhältnissen einige Kundschafter zugegen sind, so muss der Führer 
das bedenken, dass auch dies zu den Ohren der Feinde gelangen 
kann. Da nun gesehene Gefahren weniger schaden, so müssen die 
Hinterhalte durch geschwinde Reiter entdeckt werden, damit das Heer 
nicht von irgend woher unversehens Belästigungen zu erfahren hat. 
Sechstens müssen die zuverlässigeren Ritter und die am meisten kriegs- 
tüchtigen Fusssoldaten immer in dem Theile des Heeres ihren Platz 
erhalten, wo, wie man glaubt, die grössere Gefahr droht, dass, wenn 
auf allen Seiten Gefahren befürchtet werden, überall die Gegenmass- 
regeln getroffen werden. Siebentens soll das Heer nicht ohne Füh- 
lung einherziehen (disparsim vadat)1). Denn wenn die Schlachtreihe 
unterbrochen ist, wird sie leichter bekämpft. Zu jeder Stunde muss 
sich daher das Heer so verhalten, dass, wenn da gerade die Feinde 
1) Itinerariuln RegiS 
prudenter digesta; nam 
22: Procedit acies ad delicias intuentiun1 
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Rieardi I , 
nec simul,
        

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