Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1002892
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Weiber 
Heere. 
Menge leichtfertiger Dirnen nach (trippäniersen, soldiersen), die ihre 
Gunst verkauften und anstatt der Bezahlung von den Soldaten auch 
Schmucksachen, z. B. Gürtel als Pfand annahmen 1). Selbst an den 
Kreuzzügen betheiligten sich Schaaren dieser fahrenden Weiber. 
Dürfen wir dem Gedichte „Godefroid de Bouillon" Glauben schenken, 
so waren sie sogar militärisch organisirt, mit Keulen bewaEnet und 
führten eigene Fahnen 2). Zumal bei dem zweiten Kreuzzuge muss es 
airg hergegangen sein. Ludwig VII. von Frankreich hatte sein junges 
üppiges Weib, die Eleonore von Aquitanien, aus guten Gründen nicht 
daheim zurücklassen Wollen und sie mit sich genommen. „Dies Bei- 
spiel befolgten viele andere Edelleute und nahmen ihre Gemahlinnen 
mit, und weil da Dienerinnen nicht fehlen konnten, so befand sich in 
dem christlichen Heere, das keusch sein sollte, eine Menge von 
Frauen3)f' Auch im Heere Kaiser Konrads III. fehlte es nicht an fahren- 
den Weibern 4). So konnte es nicht ausbleiben, dass die christlichen 
Glaubensstreiter sich nicht grade eines erbaulichen Lebenswandels be- 
ileissigten, und dieser sündhaften Aufführung schreiben denn auch die 
Berichterstatter das Misslingen des ganzen Kreuzzuges zu 5). Als 
Heinrich II. und sein Sohn Richard Löwenherz 1188 den dritten Kreuz- 
zug antreten wollten, wurde deshalb bestimmt, „dass keiner auf die 
Wallfahrt irgend ein Weib mitführen solle, ausser einer Waschfrau 
zu Fusse (nisi lotricem peditem), die unverdäehtig seiw). Was das 
dort 
Zßlll 
der alde, Dä fuor vil ribalde: Ir loufen machte in müede lide. Etslichel- 
baz an der wide, Denne er daz her dä märte Unt werdez volc unärte. 
1) Parz. 341, 19: Ouch was der frouwen dä. genuoc: Etsliu den zwelften gür- 
tel truoc Ze pfande näeh ir minne. Ez wärn niht küneginne: Die selben trip- 
päniersen Hiezen soldiersen. 
2) Peter der Eremit zeigt dem Sultan das" Heer der aus Jerusalem ausrücken- 
den Christen, 23297: Vit les blankes banieres, bien mil ou environ, La, vit mainte 
machue, meint pestiel, maint blasen; 23302: Ains sont tres toutes femmes, pour 
voir le vous dist-on, Ly une a. son amy, ly autre son bamon; Et s'y en son siervy 
oussy ly compaignon De folles en y a. asses et ä foison Et qui sont de tres -fausse, 
maise condicion. 
3) Guil. Parvlis de Newburgh, Hist. Anglicana, I, 31. 
4) Matth. Paris 1146: Duxit secum ad septuaginta millia militum lorica- 
torum exceptis peditibus et parvulis mulieribus equitibusque levis anna- 
turae. 
5) Guil. Parws de Newburgh, Hist. Angl. I, 20.  Rogerus de Hoveden, 
Ann. 1146: Ascendit enim in conspectu Dei incontinentia eorlml, quam 
exercebant in fornicationibus et in adulteriis manifestis, quod Deo multum displi- 
cuit, postremo in rapinis et in omni genere soelerum. 
6) Guil. Parvus de Newburgh, Hist. Angl. III, 23.
        

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