Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1002794
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Fahnenwagen: 
Carroccio, 
Standarb. 
Da Aller Augen auf die Sturmfahne gerichtet sind, so musste sie 
auch für Alle leicht sichtbar sein. Die Fahnenträger sassen zwar 
hoch zu Ross, aber doch konnten sie das Heereszeichen nicht so hoch 
halten, dass es in einer Schlacht von einer zahlreichen Kliegerschaar 
immer leicht bemerkt wurde. Viel praktischer musste es daher er- 
scheinen, die Fahne an einen hohen mächtigen Mastbaum zu befestigen. 
Nun konnte sie aber nicht mehr von einem Ritter vorgetragen werden, 
sondern musste auf einen Wagen gesetzt und in die Schlacht gefahren 
werden 1). So entsteht derFahnenwa gen. Die Italiener scheinen diese 
Erfindung gemacht oder wenigstens am frühesten benutzt zu haben. 
Zuerst wird das Carroccio der Mailänder von dem Erzbischofe Arnul- 
phus von Mailand in seinen Gestis Mediolanensium zum Jahre 
1038 erwähnt 2). Nach den Annales Caesenates haben die Bürger von 
Bologna erst 1170 das Carroccio angewendet. Das Carrochium Par- 
mensium erwähnt Albericus Trium Fontium 1229. Aber schon zu 
Anfang des zwölften Jahrhunderts brauchte man den Fahnenwagen 
in Deutschland. Bei einer Schlacht, die der Herzog von Löwen 1129 
dem Bischofe von Lüttich lieferte, verlor er seinen liähnenwagen 3). Im 
Deutschen und Englischen wird das Carroccio gewöhnlich Standart ge- 
nannt 4). 1138 schlugen die Engländer die Schotten in einer Schlacht, die 
gewöhnlich die Standartenschlacht genannt wird, bei Cuteen Moor. Aus- 
führlich beschreibt die Standarte derEngländerRicardus Hagustaldensis 5), 
1) Lanceloet I, 34153: Die standart was So suaer, als icker af las, Datten 
met pinen mochte draghen Met -iiij- perden een waghen. 
2) Vgl. San Marte a. a. O. 324 ff.  Otto Morena. 1160: (Medio lanenses) cum 
carozolo, supra. quod maximum vexillum album cum cruce rubea. in medio defere- 
batur, abire coeperunt. 
3) Lamberti Parvi Ann. 1129: Bellum inter Alexandrunl episcopum et 
ducem Lovaniensem pro castro de Durace; in quo vexillum ducis captuln est; 
quod f astu superbiae et precepto illius quadrigu boum ferebat. 
4) Ann. Colon. maximi 1162: Postea tercia, feria venit populus cum 
Carrocio (so ist jedenfalls statt barrocio zu lesen), quod apud nos standare dici- 
tur.  Fliderici Imperatoris Epist. (Freher I, 237): Venit populus cum carocio, 
quod upud nos stendart dicitur.  Matth. Paris 1236: Cum standardo suo, quod 
carrucam vel canochium appellant. 
5) Ricardus Hagustaldensis de gestis Regis Stephani et de bello Standartii 
(Twysden, Hist. Angl. Script. I, 322): Mox autem aliqui eorum in medio cuiusdam 
machinae quam ibi adduxerant, unius navis malum erexerunt, quod Standard appel- 
laverunt. Unde Hugo Sotevagina Ebomcensis archidiaconus: 'Dicit11r Eh Stande 
Standardum, quod stetit illic, Militiae probitas vincere sive mori." In summitate 
vero ipsius arboris quandanl argenteam pixidem cum corpore ChriSü et Salllßtürllm 
Petri Apostoli et Johannis Beverlacensis et Wilhelmi RipenSiS COIIfESSOTUIII a0 
pontilicum vexilla suspenplelunt.
        

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