Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1002767
Oberb efehlshaber. 
Fahnen. 
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auf, und jedem der Herren sind zwanzig Ritter heerespflichtig. Es 
commandirte also jeder Fürst eine Schaar von tausend Rittern, unge- 
rechnet die fünfzig Herren, welche wohl als Unterbefehlshaber fungirten. 
DerOberstcommandirende,derleitaare1), houb etmani), meister3), 
wurde von dem Fürsten ernannt, wenn derselbe nicht selbst den Oberbefehl 
sich vorbehielt. Zuweilen wird demselben auch die Schlachtfahne 
(sturmvane 4), hervan e) anvertraut 5). Wie es scheint, wurde nicht in 
allen Ländern die gleiche Sitte in Beziehung auf die Fahnen beobachtet; 
bei den Normannen blieb die Hauptfahne von dem eigentlichen Hand- 
gemenge entfernt. S0 wird im Roman de Rou (12718-127 78) erzählt, dass 
Wilhelm von der Normandie vor der Schlacht von Hastings seine Fahne 
dem Raoul de Conches und später dem Gautier Giifard anbot, von beiden 
aber eine abschlägige Antwort erhielt, da sie es verzogen am Kampfe 
thätig sich zu betheiligen; endlich übernimmt diese hohe Ehre der 
Ritter Tonstain. Und auch König Harald stand mit seinen Brüdern 
während jener Schlacht bei der Heeresfahne, die ebenfalls wohl nicht 
sogleich dem Ansturm der Feinde ausgesetzt war 6). Bei den Deut- 
schen jedoch "wurde die Fahne dem Heere vorangetragenl); der Fahnen- 
träger musste schon deshalb ein tapferer Held sein. Roland selbst 
führt des Kaisers Fahne 8), Volker die der Burgunden 9); Wolfdietrich 
trägt sie den Seinen voran 10), und in der Schlacht auf dem Lechfeld 
1) Trist. p. 131, 21: Ir aller leitare, Der getriuwe der gewaere Rüal; p. 473, 
61 Und Rigolin von Nante Der vinde leitaere.  Biterolf 3424: Des heres leitsere 
Wart Rüedeger der riche; 5276: Daz er si solde füeren dan Und oueh ir leitsere 
In der herverte wsere. 
2) Willeh. 200, 2.  Mhd. Wtb. Hi, 40, Z. 12 ff. 
3) Willeh. 214, 2.  Mhd. Wtb. 111, 117, Z. 47. 
4) Gr. Wolfdietr. 987; 1003; 2009; 2027: sturmfan. 
5) Biterolf 5304: Drizic tüsent er gewan, Die muosten swern hervart. Rüed- 
ger ir aller venre wart; 9686: Vil balde Rüedger üf gebaut Den Etzelen hervanen. 
6) Matth. Paris 1066: Rex Haroldus pedes iuxta vexillum stabat cum fratri- 
bus suis, ut in communi et aequato periculo nemo de fuga. eogitaret. 
7) Kudr. 521: Er hiez näch einem venre daz volc zuo dem herben sturme 
wisen; S30: Die paniere allenthalben in gedrenge man dö truoc; 1111: Volget 
minem venre, der kan iuch daz beste wol geleren.  S. Oswald 2809: Sant Os- 
walt der wigant Vuorte den sturmvanen in einer haut; Der manheit was er niht 
ein tör, Den sinen vahter ritaerlichen vor; Er vaht reht als ein biderber herre, 
Er gap den sinen rät und lere. Er ruorte den 5111-11; wigligh den einen vor, Des 
wären a1 sin hörren unde knehte vrö. 
8) Rolandsl. 3187: Ruolant enphie then vanen. 
9) Nib. Z. p. 25, 5: Ouch sol dä. mit riten Volker der küene man, Der sol 
den vanen füeren; baz ichs nieman engan; p. 30, 4: Volker der küene den vanen 
zuchte den, Der starke videlaere: dö reit er vor der scher. 
10) Gr. Wolfdietr. 2190: Wolfdieterlch der furste furte Selbe den Sturlnfan. 
Schultz, 116i. Leben. II. 13
        

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