Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1002515
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Freibeuterschaaren. 
Bande der Bibliotheque de L'Ecole des Chartes geschildert (p. 417). 
Wo dies Gesindel hauste, wurde Alles verwüstet; dass sie selbst die 
Nonnen nicht schonten, bestätigt uns Walter Mapes, und so werden 
sie wohl auch an dem Unfug schuld sein, den uns die Annales C010- 
nienses maximi zum Jahre 1198 erzählen. In dem Kriege zwischen 
Otto IV. und Philipp von Schwaben hatten des Letzteren Soldaten 
Bonn und Remagen verbrannt. "Vieles Abscheuliche", fahrt der Annalist 
fort, „und jammervoll zu Erzählende hat jene unreine Barbarenhorde 
(impurissima barbaries) verübt; ich will nur eins hier mittheilen, auf 
das Weitere kann man dann schliessen. Sie zogen eine Nonne ganz 
nackt aus, bestrichen sie mit Honig und wälzten sie in Bettfedern, und 
in dieser abenteuerlichen Verfassung (monstruose hirsutam) setzten sie 
sie auf einen Gaul, so dass das Gesicht nach dem Schwanze des 
Pferdes gerichtet war. Als sie dies lächerliche oder vielmehr be- 
dauerungswürdige Schauspiel einige Tage umhergeführt hatten, wurde 
endlich dem Könige Philipp die Sache bekannt, der, vorn Eifer des 
Herrn ergriffen, alle Theilnehmer an diesem Verbrechen durch sie- 
dendes Wasser tödten liess (aque bullienti tradi iussit)" 
Die Bidau z, die Guiart noch 1304 erwähnt, gehören zu derselben 
Sorte von Leuten 1), und dasselbe gilt von den Ribaldi, einer ärmJich 
ausgerüsteten Truppe 2), die aber zu kühnen, waghalsigen Unter- 
nehmungen vortrefflich zu brauchen war3). Auch an ihrer Spitze 
stand ein König, der Rex Ribaldorum (Roi des Ribauds) 4). Sie werden 
1) Guiart II, 10518: De Navarre et de devers Espaignc Rcviennent bidauz im 
granz routes Des quieux les compaignies toutes En guerre pam accoustunmnce 
Portent- deus darz et une lance, Et un coutel ä 1a ceinture; Dhutres armäures 
n'0nt eure. 
2) Guil. Parvi de Newburgh. Hist. Anglic. 1. V, c. 2: Ipse (Philippus Augustus) 
cum quibusdam perditis ex illo hominum genere quos ribaldos vocant.  Rolan- 
dini Patav. Chron. lib. VIII, 12: (1256) Sunt forte ribaldi 100 intrinsecus de villis 
silvestribus Pedemontis ad soldum, nudi, famelici et inermes.  Thomae Tusci 
Gesta, Imperatorum et Pontiflcum 1273: elemosirxas    in rubaldorum usus et 
victum qui sequebantur exercitum, eonverti mandabat suosque eos socios appel- 
labat (Karl von Anjou).  S. die Stellen bei Hewitt (I, 207).  Philippid. III 
(Duchesne V, 129): Et Ribaldorum nihilominus agmen inerme, Qui nunquam dubitant 
in quaevis ire pericla.  Matth. Paris ad a. 1214: Ribaldi et viles personae.  
Guiart I, 6640: Leur robes ne sont mie neuves, Ainz semble tant sont empiräes 
Que chiens les aient dcciriäes. 
3) Rigordus 1189: Dum Rex (Philipp August) circumquaque immunim civi- 
tatis (Turonensis) consideraret, Ribaldi ipsius, qui primos impetus in expugnan- 
dis munitionibus facere consueverunt, eo vidente in ipsam civitatem impetum 
fecemnt. 
4) S. Hcwitt I, 208: Nach der Schlacht von Bouvines wird dem Rex Ribzdclo- 
rum von den Gefangenen Rogerus de Wafalia, zugesprochen.
        

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