Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1002474
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Soldaten. 
Taifurs. 
Andere, um da zu tjostiren, ein Dritter, weil er die Welt sehen will, 
der Vierte seiner Geliebten zu Ehren, der Fünfte, Gott zu dienen, der 
Sechste, um des Herren willen zu leiden, der Siebente, um seiner Arm- 
seligkeit daheim zu entgehen und Geld und Gut zu erwerben, der 
Achte zum Zeitvertreib, der Neunte endlich aus Ehrgeiz (des niunden ile 
was durch ruon hin über mer).  
Ausser den Rittern kamen dann auch alte erfahrene Kriegsknechte, 
die für Lohn jedem dienten, der sie bezahlen konnte und wollte 1). 
Diese Soldtruppen werden als Soldaten (mhd. soldiere 2), afr. soudoier 3), 
mlat. so1idarii)4) bezeichnet; die Art des Dienstes ist nicht massgebend, 
wenn auch der Ritter höhere Löhnung erhielts); aber sobald er seine 
Person für Sold einem kriegfiihrenden Fürsten zur Verfügung stellte, 
war er so gut wie der geworbene Krieger ein Soldat. 
Solche Soldtruppen werden Während des ganzen Mittelalters häufig 
erwähnt. Mehr freiwilligen Dienst leisteten die im ersten Kreuzzuge 
wiederholt genannten Taffurs. Guibertus de N ovigento erzählt in der 
Hist. Hierosolym. VII, 20: Inde rex Thaiiiur barbarica coepit lingua 
vocari. Thafur auteni apud Gentiles dicuntur, quos nos, ut nimis 
litteraliter loquar, Trudenues vocamus, qui ex eo sie appellantur, quia 
trudunt, id est leviter transigunt, quaquaversum peragrantes annos. 
Es sind also Tollköpfe, Draufgänger, die aber zu verwegenen Streichen 
vorzüglich passen. Geld dürfen" sie nicht haben; das leidet ihr König 
nicht, der bei Brückenpassagen oder beim Durchmarschiren durch 
einen Engpass seine Leute visitirt und sie, sobald er 2 Solidi bei 
ihnen findet, aus seiner Truppe ausstösst, sie zwingt sich Waffen zu 
kaufen und in das Heer einzutreten. Je weniger diese irregulären 
Truppen besitzen, desto besser sind sie bei ihrem Könige angeschrieben. 
Sie sind brauchbar zum Fouragiren, zur Bedienung der Maschinen, 
zum Transport von Lasten. So viel theilt uns Guibert von Nogent 
1) Radulphi de Ooggeshall Chron. Anglic. 1204: Rex Johannes dedit Moreue 
cuidam Gascono -XXviij- millia, marcarum ad conducendum exercitum -xxx- millium 
hominum; 1215: In qua obsidione (Roffensi) rex expendit in stipendiariis plus 
quam -1x- nlillia marcaium.  
2) Soldät dagegen bedeutete damals "der Lohn" (Ro1andsL3922: Wä. mahtet 
er nu gewinnen Alsö guoten soldät). 
3) Aye d'Avign0n p. 84: Sire, ja avez moult merveilleus tresor, Qu' aportas 
düäufalerne, quani: venis de Ganor; Mandez les soudoiers et tenez les effbrs. Je 
lor dorra. assez de Targent et de l'or. 
4) Ott. Frising. (resp. Ragewini) Gesta. Frid.III,20: Milites qui solidarii vocantur. 
5) König Manfred zahlt den Leuten von Piacenza, die 1258 in seinen Dienst 
treten, monatlich und zwar dem Ritter Sß, dem Fusssoldaten 20 Solidi (ADJI. Placent. 
Gibßll)  Parma bietet 1294 zwei Solidi Tageslöhnung (Ann. Farm. maj).
        

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