Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1002447
Exercierübungen. 
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Schiessen mitPfeilen nach demZiele ist nicht zu vernachlässigen. Auch die 
Gewandtheit, Steine mit der Schleuder zu werfen, ist von Werth," zumal 
wenn das Gefecht auf steinigem Boden stattfindet (also die verschossene 
Munition leicht Wieder ergänzt werden kann) oder wenn eine Anhöhe 
vertheidigt wird. „Sechstens sind die Krieger zu üben, mit Bleikugeln zu 
schlagen. Denn ein bleierner oder eiserner Ball, der durch eine Kette 
mit der hölzernen Handhabe verbunden ist, ermöglicht einen gewal- 
tigen Schlag. Wegen der heftigeren Bewegung der Luft schlägt 
nämlich ein mit der Kette am Schafte befestigter Ball kräftiger, als 
wenn er an den Schaft oder die hölzerne Handhabe selbst angemacht 
ist" 1). Das Reiten ist nicht minder wichtig, im Sommer im Freien, 
im Winter in gedeckten Räumen zu üben. Der Recrut soll lernen, 
rechts und links, bewaffnet und unbewaifnet, selbst mit halb gezogenem 
Schwerte (evaginatis mediis gladiis) und im grössten Kampfgewühl sein 
Ross zu besteigen. Endlich muss er schwimmen lernen. Auf das Exer- 
ciren kommt Aegidius nochmals im zwölften Capitel zurück: "Die Weise 
aber, wie die Krieger solche Ordnung zu halten lernen, ist, dass Reiter wie 
Fusstruppen häufig ins freie Feld geführt werden, und diejenigen, welche 
im Kriege die Anfiihrung haben, die Cavallerie oder Infanterie comman- 
diren, müssen da erstens die Reiter und Fussgänger in einer Linie 
aufstellen, so dass sie ein Glied tief stehen (ita ut seriatim maneant), 
je nach der Distanz, welche für die Schlachtreihe der Reiter oder der 
Infanterie erforderlich ist. Dann soll man ihnen befehlen, die Reihe 
zu verdoppeln (zwei Glieder zu formiren), so dass die Hälfte der Reihe 
sich sofort von der anderen Hälfte trennt und vor oder hinter der- 
selben sich ordnet. Darauf soll der Befehlshaber sogleich gebieten, 
ein Carre zu formiren, dann ein Dreieck zu bilden, was leicht ge- 
schieht.    Und so muss der Anführer die Krieger gewöhnen, dass 
sie nach jedweder Form die Schlachtreihe zu bilden wissen." 
1) Sexto exereitandi sunt bellantes ad percutiendum cum plumbaliis- Nmll 
pila plumbea vel ferrea cum cathena aliqua. conjuneta manubrio ligneo (Druck? 
lineo) Veheementem ictum reddit. Nam propter veheementiorem motumeeris 
vehaementius percutit pila. cum cathena haste (D12: hoste) inüxß, 11113111 S1 11351 
hastze vel ipsi manubrio ligneo (Dn: lineo) sunt conjuncta.  ES handelt Sich 
hier um eine Waffe, die meines Wissens nicht von den deutschen Schriftstellern 
erwähnt wird (vgl. S. 183). Demmin nennt dieselbe Kriegsflegel (W aßenkunde 
S. 445) und bildet einen ab, welchen er bei einer der Naumburger Gründerstatuen 
(die aber aus dem 13., nicht dem 11. Jhrdt. herrühren) gefunden hat. Aegidius 
Colonna, stellt also den Kriegsilegel der später Morgenstern genannten Keule gegen- 
über und hebt seine Vorzüge hervor. Vgl. Vegetius I, 17- 
Schultz, höf. Leben. II. 11
        

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