Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1002317
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Gottesurtheils. 
Arten 
Andere 
aber (20423 ff.) eine Schilderung entworfen,- die für uns einen bedeu- 
tend grösseren Werth beanspruchen kann, da sie noch im dreizehnten 
Jahrhundert niedergeschrieben wurde. „SWanne ein Wip kempfen scl 
Mit einem starken manne, Man teilt ez gliche danne. Ein Wip ist 
ein halber man. Herre, pi dem ambte, daz ich han, Sage ich dir, 
wie im sol Wesen. Ich han ez an dem puoche gelesen, Ez sol ein 
ieslicher man In einer engen gruoben stan, Daz er halber drinnen 
si. Scharpfer Wäfen si er fri: Daz ist reht über daz lant. Im sol ouch 
deu rehte hant Hin der sich gepunden sin: Daz ist daz rehte urteil 
min. Man sol im einen stecken geben, Da mit er-were sin leben, 
Noch ze gröz, noch ze swanc. Er sol sin einer ellen lanc, Den 
git man im in die tenken hant, Da mit sin wer ist pekant. Ein plözer 
rok ist sin kleit, Über ein hemde an geleit. Deu frouwe sol hie 
ouzen gan, Einen stein in der stouchen han, Mit riemen drin 
gepunden, Swaere pi drien pfunden. Deu stouche sol Wesen linin Und 
zweier ellen lanc sin. Ob si im niht an gewinnen mac Von morgen 
unz an mitten tac, Sö sol der man sin genesen Und ledic von der 
frouwen Wesen." 
Von den anderen Arten des Gottesurtheils ist in den Epen nur 
selten die Rede. In den Chroniques des ducs de Normandie wird ein- 
mal das Urtheil mit kaltem und mit kochendem Wasser, mit glühendem 
Eisen und mit brennendem Feuer erwähnt 1). Die Probe des kalten 
Wassers bestand nach Fr. Majer (a. a. O. p. 41  darin, dass der 
Beschuldigte in einen vorher geweihten Fluss oder Teich geworfen 
wurde. Schwamm er, so war er schuldig; sank er unter, so galt das 
als Zeichen der Unschuld (Sachsensp. IH, 21, ä 2). Bei dem Ordal 
mit kochendem Wasser galt es „in enen wallenden ketel to gripen 
bit to dem ellenbogen" (Sachsensp. I, 39). Das glühende Eisen wird 
in der Hand getragen. lsolde, fortwährend des ehebrecherischen Um- 
ganges mit Tristan bezichtigt, verspricht, sich mit dem "Gerihte ze 
dem glüenden isen" zu reinigen 2). Vor dem Concilc erscheint sie, allein 
bekleidet mit einem Hemd und einem kurzen wollenen Rocke, der 
nur bis eine Handbreit über den Knöcheln reicht; die Aermel sind 
bis an die Ellbogen aufgekrempt. Sie leistet nun den Reinigungs- 
eid3). Der König lässt ihr das glühende Eisen reichen: „11u neinet 
daz iseii uf die hant". 3,111 gotes nainen greif siz an Und truog ez, 
fer 
cort pleniäre 
1) 13450: Cum jugem ta 
chaut, de feu ardant. 
2) Trist. p. 390, 10. 
3) Trist. p. 393, 22 ü". 
Par 
BVG 
Heide u par 
boillzmt , 
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