Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1002294
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Der 
Zweikampf der Ritter. 
gerichtliche 
Hand ein gezogenes Schwert, eins oder zwei nach Willkür noch um- 
gegürtet, einen hölzernen mit Leder bezogenen Schild tragen, dessen 
Buckel allein von Eisen sei. Ueber die Rüstung darf er einen Rock 
ohne Aernlel anlegen. Diesen Anordnungen entsprechen nun die Be- 
schreibungen, Welche uns die Dichter von den gerichtlichen Zwei- 
kämpfen der Ritter überliefern, keineswegs. Die ritterlichen Kämpfer 
erscheinen da immer zu Ross, vollständig wie zum Turnier oder zur 
Schlacht in Eisen gehüllt, und auch der Verlauf des Kampfes ist ein 
durchaus anderer. 
Sobald sie in die Schranken eingeritteu sind und ihre Stelle ein- 
genommen haben, das Signal zum Beginn gegeben ist, fordern sie 
sich nochmals heraus ("Je vos desii; de moi or voz gardezi. Gaydon 
p. 45; cf. p. 199), und nun beginnt der Kampf auf Leben und Tod. 
Weichen kann Keiner, denn die Schranken sind geschlossen; in der 
Schlacht kann er liiehen: hier muss er ausharren und mit Auibietung 
aller Kräfte sich vertheidigen, den Gegner angreifen. Fest den Speer 
unter dem Arme fassend 1), reitet er erst im Galopp, dann im Carriere 
auf den Feind los, die Lanzen zersplittern auf den Schilden; die Rosse 
bäumen sich hoch auf 2); Mancher Wird vom Anprall schon betäubtil). 
Aber immer von neuem dringen sie auf einander ein, bis endlich einer 
den Sattel räumt, die Sattelgurte und das Riemenzeug des Rosses zer- 
platzen 4). Es ist nun gewiss sehr chevaleresk, dass der glückliche 
Kämpfer ebenfalls vom Rosse sprang, auch dem Betäubten Zeit gab 
sich zu erholen 5), aber unter diesen Umständen Wird wohl Jeder seinen 
Vortheil nach Kräften ausgebeutet haben. Jetzt beginnt der Schwert- 
kampf; sie fechten; endlich holt einer zu einem Gewaltstreiche aus. 
Er wirft den Schild auf den Rücken, fasst das Schwert mit beiden 
Händen und führt nun die gewaltigsten Hiebe gegen den Gegner Ü). 
Der Schweiss rinnt ihnen durch die Maschen der Rüstung, der Kopf 
1) Erec 809: Daz sper er undern arm sluoc. 
2) Erec 774: Diu just wart sö krefticlich, Daz diu ros hinder sich A11 die 
hähsen gesäzen.  Kudr. 1408. 
3) Erec T69: Mit der just er im sluoc Den schilt an daz houbet. Dä von 
wart er betoubet, Daz er küme gesaz. 
4) Ereg S17; Daz dem ritter brächen Die darmgürtel beide    Sui-zengel 
und fürbüege. 
5) Erec 827: DM B611 01' 11111138 dm, Daz iemen des möhte jeheu, Daz im diu 
Schande waere geschehen. DM er in ligende het erslagen. Er wolde bezzer wort 
bejagen. Er erbeizte und liez in üf stäm. 
6) Erec 855: Üf spmnc er und begunde sä Den schilt ze rücke wenden Und 
gü-p ze beiden henden Daz swert mit grimmen mugtg  Lgmz, 2088; EnngHL 
4923; Purton. 3662; Meler. S288; Lohengr. 5501. U
        

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