Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1002263
Zeit des Kzunpfes. 
143 
wenigstens. Aber im Walewein wartet nach der Aufforderung des Königs: 
„Here ruddere, alst jou dinket tijt, So vaert und beit uwes ghesellen 
int crijt" (1970) der Kämpe bis zur None (3 Uhr Nachm.) und bittet 
(lann: "Herre, siet Dinket u tijt, so laet mi varen" (1980). Aber der 
König heisst ihn noch länger verziehen; un1 Vesperzeit (6 Uhr NaghnL) 
bittet er wieder, und nochmals muss er sich gedulden, da kommt end- 
lieh der Gegner, der in des Königs Frieden nun aufgenommen wird 1). 
S0 variirt die Stunde, bald ist sie zu Mittag schon abgelaufen, bald 
währt sie bis um (S Uhr Nachmittags 2) und gar noch länger. 
Gewöhnlich aber wird, wenn der eine der Kämpfer bis zur None, 
also bis 3 Uhr Nachmittags nicht erschienen ist, er in eontumaciam 
verlirtheilt. In dem Chronicon Hanoniense des Gislebertus wird fol- 
gender Fall erzählt: (1188) „ln diesen Zeiten und in diesem Jahre 
hatte Gerard de Saint-Obert, ein Adliger, des Grafen von Hennegau 
Lehnsmann und Verwandter, Zwistigkeiten mit einigen Rittern und 
behauptete, dass einer derselben, nämlich Achard de Verli, sein Eigen- 
mann sei, und klagte ihn beim Hofe des Grafen von Hennegau an. 
Als sie eines Tages vor dem Herrn Grafen von Hennegan zu Mons 
Standen und viele wackere Edelleute und Männer aus allen Ständen 
zugegen waren, sprach ein sehr tüchtiger Ritter, ein gewisser Robert 
de Belren, der eine Frau aus der Familie des Grafen und von ihr 
Söhne hatte, ein Verwandter desselben Achard, vom Hochmuth anf- 
gebläht, da Niemand jenen wegen der Leibeigenschaft belangte, 
öifentlich: "Herr Graf, mir ist mitgetheilt worden, dass Herr Gerard 
de Saint-Obert hinter meinem Rücken gesagt hat, ich stamme aus 
einer leibeigenen Familie und gehöre ihm an. Wenn er das gesagt hat, 
S0 hat er gelogen wie ein Schurke und Verräther; wenn er es noch 
einmal sagen will, so lügt er wieder wie ein Schurke und Verräther, 
und da ist mein Pfand bereit, im Zweikampf mit ihm die Sache aus- 
Zufechten". Gerard aber hielt, als er dessen Anmassung und Ueber- 
llebllng gehört. da er ihn bisher vor Allen aus seiner Familie geliebt 
und bei diesem Rechtsfalle immer zu schonen beabsichtigt hatte, mit den 
Seinen Rath und antwortete dann: „Herr Graf, der gegenwärtige Robert 
de Belren ist selbst mein Eigenmann. Da er das läugnet und frei zu 
sein behauptet, so ist hier mein Pfand bereit, dass er lügt1 und ich 
bin erbötig, das gegen ihn als einen Schurken und Verräther zu be- 
1) Walew. 2045: Alle die gone die met hem waren 
swaren Dien cnape vrede ende vast ghelede. 
2) Ferguut 4632: Galiene sprac: ic saTs mi beruden, 
pertrijt, Noch maß mijn ridder comen in't crijt. 
Moesten vorden coninc 
Hens noch gheene ves-
        

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