Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1002182
Stellvertreter 
Beschreibung 
Zweikampfbs. 
eines 
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von Anjou zum Duell herausgefordert, um ihre Zwistigkeiten so zum 
Austrage zu bringen. Jeder der beiden Fürsten sollte 100 Ritter 
nach dem in englischem Besitz damals befindlichen Bordeaux 
mitbringen, und dort sollte der Kampf beider Schaaren die Entschei- 
dung der schwebenden Fragen herbeiführen. Peter erschien auch 
incognito, fürchtete aber Verrath und zog sich Wieder zurück, so dass 
dies grosse Duell, zu dem schon alle Vorbereitungen getroffen waren, 
nicht stattfinden konnte (Ann. Parm. 1naj.; Saba Malaspina IX, 22-25. 
X, 9-12). 
War einer der beiden Gegner krank, gefangen, oder sonstwie 
verhindert, so durfte er einen Stellvertreter schicken, der seine Sache 
ausfocht 1). Frauen hatten immer das Vorrecht, einen Kämpen für 
ihre Unschuld zu stellen, und es ist ein in den Ritterromanen oft 
wiederkehrendes Motiv, dass eine unschuldig angeklagte Jungfrau Boten 
aussendet, um einen Ritter einzuladen, für sie am bestimmten Tage 
auf dem Kampfplatze zu erscheinen. 
Eine recht lehrreiche Schilderung eines solchen Verfahrens giebt 
uns der Dichter des Reinfried. Ein Ritter hat das Rendezvous der 
Prinzessin Yrkane und des Reinfried von Braunschweig belauscht und 
glaubt nun die Prinzessin zwingen zu können, ihn zum Gatten zu 
nehmen. Yrkane theilt endlich ihrem Vater mit, wessen sie der Ritter 
bezichtigt 2), und dieser beharrt, als er befragt wird, bei seiner Beschul- 
digung 3). Der König setzt einen Gerichtstag fest, entbietet seine 
Getreuen und sichert dem Ankläger bis zur Entscheidung der Sache 
Frieden zu 4). Auf dem Felde vor der Stadt Liniön werden Tiibiinen 
(gestüele) aufgeschlagen; dort nehmen der König und seine Rathgeber 
Platz 5). Dann erscheint die Prinzessin Yrkane und fordert, nachdem 
Zwen viläne sullen sich Zebliuwen und geslahen, Vor gericht mit kampfe vahen, 
Mügen sie ir reht anders niht Bewaeren unde ir geschiht. Daz ist vürsten gar 
enwiht. 
1) Cleomades 10987: Ä ce tans, se essoigne avoit Cil qui combatre se devoit, 
Qui fust de loial ochoison, De maladie ou de prison, Mais que Pessoigne fust seüe 
Par geht dOnt par droit fust creüe, Metre i pouvoit en lieu de lui Par droit, 
en toutes COLUSS, autrui, Mais löau seignour dou lieu laleüst: Kßnutrement faire 
nel peüst. 
2) Reinfr. 6194: Er zech mich, ich waere ein wip Näch kebeslichen orden 
Tougenlichen worden Von dem üz Sahsen landen. 
3) 6428: Ich wil die minneeliehen Des übersagen, swä man wil, In kaimphßs 
rinc, mit strites spil, Als swie man mir erteilet.  
4) 6584: Dä zuo häte man Dem ritter frides tröst gegeben, Daz sin lip und 
euch sin leben Waer befridet üf den tac, Der ze Liniön dä. lac. 
5) 6602: Ze velde wart der tac geleit Üffen einen witen plän. Gestüelet wart
        

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