Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1002070
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Die 
Besiegten. 
Ergötzlichkeiten. 
Die Besiegten sind allerdings nicht in so froher Stimmung. Sie 
werden nicht nur nicht gelobt und gepriesen, sondern haben auch 
noch schwere Verluste erlitten. Bei dem Friesacher Turnier waren 
so manche Ritter gefangen worden; hundertfünfzig hatten ihre Rosse 
eingebüsst 1), da musste Lösegeld geschafft werden und wer kein baares 
Geld bei sich hatte, musste gegen Pfand von Juden Geld aufnehmen: 
„Dö muosten dan ze den juden varn Si al di da gevangen wärn. Man 
sach si setzen al zehant Vil maneger hand kostlichez phant. Die da 
gewunnen heten guot, Die waren vro und hoch gemuot2)." 
Mit dem Turnier sind nun aber allerlei Lustbarkeiten verbunden. 
Schon bei der Ankündigung desselben wurde bekannt gemacht, dass 
Spiele aller Art, Waffenübungen, Gesellschaftsunterhaltungen veran- 
staltet werden sollten, dass musikalische Genüsse in Aussicht standen, 
dass die Gäste endlich auch einen Markt mit allerlei Kostbarkeiten 
finden würden 3). 
S0 haben die Kaufleute ihre Buden aufgeschlagen, Sänger, Musi- 
kanten, Jongleure, Seiltänzer und andere derartige Künstler, Bettler, 
mit einem Worte die fahrenden Leute sich eingefunden, und das 
gewährte der unverwöhnten Gesellschaft damaliger Zeit schon viel 
Vergnügen. War es schon anziehend, einen Anverwandten oder 
Freund beim Turnier zu beobachten, fanden so manche Liebesintri- 
guen bei solchen Gelegenheiten ihre Anknüpfung, Fortsetzung oder 
Lösung, so bot ein solches Fest doch auch das Angenehme, dass die 
ganze gute Gesellschaft aus der Urngegend und zum Theil aus weiter 
Ferne sich da traf. Man begrüsste alte Freunde, machte neue Be- 
1) Frauend. p. 94, 27. 
2) Frauend. p. 96, 3.  Perceval 29449: Li gaaing del bournoiement Veurm 
-c- mile lnars dnrgent. 
3) Lenzelet 2666: Von dem naehsten mäntage Dar näch über dri Wochen lst 
der turnei gesprochen Üf den Gebennen cle Bi der niwen stet ze Djolle. Ich sag iu 
von der selben maten. De, vindet menlich sinen gaten, Swes sö man tuon  Beidiu 
ze einst und ze spil: Vehten, rennen, springen, Loufen, schirmen, singen, Zabeln unde 
kugelspil, Rotten, gigen, harpfen vil Und kräm aller hende Von alder welte lande. 
 Parton. 11598: HerA in die schoenen vestc min, An richeit wol gestarket, Hiez 
er mich einen market Uz bieten endelichen, Durch daz von allen richen Koufliute 
kaemen aldä her Und ie der man näch siner ger De_n kram hier fünde veile, Der im 
ze sinem teile Vil rehte und ebene kaeme, Und swaz im wol gezaeme Von harnasch 
und von liehter wät, Daz man des den vollen rät Braehte in dise werde stat. 
Dar zuo senden er mich bat Brieve in elliu fremdiu lent Zuo den künegen wite 
erkennt Und. zuo den fürsten üz genomen, Daz si dä. her gemeine komen Bi der zit 
geruochten Und einen turnei suochten, Der solte werden hie für wär; 13406; 
Koufliute von Marsilje Kämen dar mit sime her, Die den market bi dem mer 
Zierten mit ir kräme guot.
        

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