Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1002015
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Beginn 
des Turnieres. 
Lärm. 
Commandeure (rotmaister) ermahnen in einer Ansprache Jeden, seine 
Schuldigkeit zu thun (Frauend. p. 82,  die Zuschauer Werden vom 
Kampfplatze fortgewiesen 1) und nun beginnt die harte Arbeit. 
Die Trompeten erklingen, die Trommeln wirbeln, die Herolde 
schreien, jeder Ritter ruft sein Feldgeschreiia): so stürmen sie auf 
einander ein. Mancher Liebende gedenkt der Geliebten; so ruft De- 
mantin: "Schone Delasie, Din sohonede tröstit mich vorwar" (Dem. 
5445. 6729. 6734), oder Engelhard: „Schoener roeselehter munt" (En- 
gelh. 2586); die Knappen ermuntern: "Dringa, ritter, dringe" (Crone 
810) und „Ju, vassel, schevalier za" (Cröne 871), kurz wie Jehan de 
Conde ganz bezeichnend sagt: „Cascuns de faire bruit se painne". Der 
Lärm übertönt die Schmerzensschreie der Verwundeten, das Stöhnen 
der vom Rosse Gestürzten und Getretenen; er musste den Kanonen- 
donner und das Knattern des Gewehrieuers, die in unseren Schlachten 
den Jammer des Einzelnen übertäuben, ersetzen. Die geharnischten 
Männer stürzen in vollem Carriere auf einander los; die Lanzen zer- 
Splittern; da ist einer niedergestreckt worden, sein Ross führen die 
Knappen des Siegers fortß); er kann zufrieden sein, wenn er nicht 
noch im Getümmel von den Rossen getreten und schwer verletzt 
wurde 4).  
Die gute Sitte verbot, dass Viele einen tEinzelnen angrifenä); 
Mann gegen Mann sollte gekämpft werden. Auch galt es für an- 
ständig, wenn man den Gegner aus dem Sattel gehoben hatte, selbst 
abzusteigen und zu Fuss weiter zu fechten 5). Sogenannte Sauhiebe 
waren schon damals verpönt 7). 
1) Cröne 739: Man hörte die garzüne Riche croijieren Under den banieren: 
'Wicha! läz tjostierenf 
2) Chevaliers a le mance 328: Lors sonnent tro1npes et nakaires, Cascuns de 
fäire bruit se laainne, Hiraut crient ä longe alainne.  Der Frauen Turnei" 234 
(Ges. Abent. I, 377): Daz allez üf dem velde schrei:  zä, Limburk, zä!" 
3) Lanz. 3058: Der gewin was ouch niht klein, Den sine knappen nämen, 
Sö die ritter nider kämen, Die ir herre von dem rosse stach. 
4) lüzuuend. p. 87, 23: Swelhen ritter man dä vallen sach, Der leit von tretten 
unge1nach. 
5) Li biaus desconneus 1655: Et ä. cel tens costume estoit Que quant-j. 
hom so combatoit, Nhvoit garde que de oelui Qui faisoit 1a, bataille 2m lui. Or va, 
1i tens en febloiant Et cis usages decanans Que -xx- et -v' prendent un! 
6) Lanc. IV, 3941: Alsene Lanceloet dus sach te voet, Dochte hem wel in 
sinen moet, Geviele dat hine tors versochte Dat ment hem wel daer laehteren 
mochte. 
7) Iwein 7139: Sine geruochten des nie, Daz si niderhalp der knie Deheiner 
slege taeten war, Dä si der Sßhildß Wären bar.
        

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