Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1001956
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Verwundungen. 
Vesp erie. 
Italienern Herr Raynald di Avella und Thomas Graf von San Severino 
und Marsico; und sie wurden als Meister berühmt und gefeiert." 
S0 ganz harmlos war auch dieses Waffenspiel keineswegs. Man 
konnte sich zwar den Gegner wählen, einem stärkeren ausweichen  
wie Ulrich von Lichtenstein bei Friesach seinem Bruder nicht Stand 
hält (Frauendienst p. 73, 23)  aber doch kamen Verletzungen oft 
genug vor: „Da wart Iiäch ritterlichen siten Des tages manc bein 
enzwei geriten. Vil maneger so des hurtes pflac, Daz er selb ander 
nider gelac Üf der erde sinnelös. Vil maneger so daz ors verlos, Daz 
man in da von verre stach: Der leit von spotten ungemach" 1). Indess 
auch Wunden waren nicht selten (Frauend. p. 74, 17), es konnte beim 
Anprall leicht die Hand verrenkt werden 2). Ulrich verlor selbst an der 
rechten Hand einen Finger 3) und das Mindeste war, dass „V0n tjost 
dä arme waren rot, Geswollen, swarz und dar zuo bla. Dem war daz 
dort, dem war daz dfv"). Und wer den Schaden hatte, brauchte für 
den Spott nicht zu sorgen; wie Keie, des Artus prahlsüchtiger Seneschal, 
Wieder einmal aus dem Sattel gehoben ist, kommt er zurück „ze iueze 
alsam ein nazzer vilz" (HVF. Trist. 2169), einer höhnt ihn: „Ir und 
iwer rössel sit Z'war mit ein ander geboren" (2182); "Keie uf siner 
muoter füln Ist gesezzen" einer sprach, Dar nach aber ein ander jach: 
„Er ritet der zwelf boten pfert" (2192)5). 
Diese Plänkeleien wurden jedoch gewöhnlich nicht so lange aus- 
gedehnt, wie dies in Friesach geschah. Die Sitte beschränkte sie 
meist auf den Nachmittag vor dem eigentlichen Turniertag, die Ves- 
perie oder Vespereideß) (afr. viespreef). Wenn der Abend dann 
herankam; wurde mit Trommel- und Posalunenschall das Signal zum 
Einstellen des Spieles gegeben S). 
1) Frauend. p. 70, 17.  Ein Ritter büsst beim Turnier ein Auge ein. (Dm 
ouge, 113. Gres. Abent. I, 252). 
2) Frauend. p. 487, 15: Der Weis mac nicht gestechen 1116. T111 tuot diu zeswiu 
lmnt vil wä: Sin düme ist üz dem lide sin.' 
3) Frauend. p. 107, 28.  4) Frauend. p. 492, 24. 
5) Vgl. HVF. Trist. 2094: Und jener, der den enger nmz Mit langer venien 
dort; 2196: Sie sahen im ouch an daz swert, Einer fmget under in  ist du. 
gehilze hin Von clisem vehtisen komen?" 
(i) Oröne 698: Sich huop ein vesperic Üf der bräierie; cf. 800. 851.  Titur. 853. 
3490. 3716. 4510.  Parton. 13506: Dä. Wolten si durch lobes gelt Begän die 
vesperie.  Lanzelet 2854: D6 was ez näch der nöne Engegen der vespereide.  
Erec 2443: Nü huop sich ouch sä vil rioh Diu veslaereide Enmitten üf der heide.  
Engelh. 2476: Er kam ze vespereide Gedrabet üf daz grüene velt. 
7) Percev. 29289: Qu'il a le pris de 1:1 viespree. 
8) Parton. 13932: Tambüren und posünen vil Wart erschellet üf dem plän, 
Dar umbe daz man solte län Daz stechen und die ritterschaft.
        

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