Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1001922
Turnierstösse. 
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der Kehle, dem Kollier, riss im besten Falle ihm auch den Helm vom 
llaupte, betäubte ihn aber jedenfalls so, dass er den Halt i1n Sattel 
verlor und rücklings über das Ross zu Boden geschleudert wurde 1). 
Ein solcher Sturz konnte leicht dem Ritter das Leben kosten. Die 
vier Nägel bedeuten meines Dafürhaltens das Centrum des Schildes, 
welches im zwölften Jahrhundert noch mit einem eisernen, durch Nagel 
befestigten Buckel besonders verstärkt war 2). Traf der Stoss diesen Buckel, 
so zersplitterte sicher die Lanze, (hirchbohrte nicht den Schild, sondern 
brachte dem Gegner eine furchtbare Erschütterung bei, die ihn auch, 
wenn er mit den Füssen nicht fest das Ross gefasst hielt, aus dem 
Sattel heben konnte. Man konnte aber auch den Schildbuckel nur 
als allgemeines Ziel nehmen und unter demselben, wo vielleicht der 
Schild schwach war, den Stoss anbringen. ln der Gegend lag die 
Hand, welche den Schildriemen hielt, die dann auch leicht verwundet 
werden konnte 3). Endlich finden wir den Stoss auf die Brust er- 
wähnt (Frauend. p. 262, 26). Natürlich konnte ein solcher Stoss nur 
dann wirksam sein, wenn der Ritter seinen Speer fest gefasst hielt; 
er schlug ihn unter den Arm 4), oder setzte ihn auf den Schenkel 5), 
den Schild presste man an die Brust"). Wie mächtig der Anprall 
war, kann man daraus ermessen, dass die Rosse oft beinahe über- 
hant Alsö sere er in stach Daz im daz fürbücge brach, Darmgürtel und surzengel 
brast, Sam ez weerc ein fülez bast.  Meler. 8274.  Gregorius 1448: Ze den vier 
nageln gegen der hant. 
1) Gr. Wolfdietr. 1507: Oberhalp dem satelbogen er den grafen nam, Er furt 
in von dem rosse aht lrlaftern über den plan.  Percev. 38365: De desor les 
boucles les (lances) froissent Et li areon alerriöre csloingnent; Roinpent caingles, 
rompent estriers, Anibedui ciöent des diestriers; 44984: ll Pempaint bien, jus le 
descent Gambes levees dou eeval Les pie amont, 1a teste aval. 
2) Vgl. auch L. Lindenschmit, Hdb. d. deutschen Alterthumskunde I, 72, Fig. 3 
(Braunschw. 1880). 
3) Vgl. S. 108, Anm. 3.  Auberi p. 185, 7: Desous la boucle li fait fraiudre et 
11113-5861"; p- 189, 29.  Reinfr. 7340: m man die rienien heften Siht bi den nageln üf 
dem schilt, Dar wart ze raine vil gezilt; 8875: Dä. der scliilt hat sinen haft; 17319; 
Hat sins speres schaft gezilt B1 den riemen da der schilt Mit stricke hat genomen 
haft. Vgl. R0n1..de Troie 14105 ff.  Es läge ja am nächsten, die vier Nägel als 
die Befestigung der Schildriemen zu betrachten, aber wir werden deren immer 
zwei annehmen müssen: einer lag auf dem Unterarm in der Nahe des Ellenbogens, 
der andre wurde von der Hand gehalten. Die Distanz dieser vier N ageI wäre doch 
etwas zu gross, um ein Ziel abzugeben. 
4) Erec 2792: Daz sper er undern arm sluoc; cf. 809. 
5) Frauend. p. 181, 18: Ez was von golde lielit ein sper, Daz Sluoc er under. 
den arm ein, D6 satzt ich üf min diech daz min. 
6) Troj. 30888: Er liete für die linken brust GedrüCkßlü einen tillren schilt.  
HvF. Trist. 1700: Sin schilt vor sinenrlierzcn lak, Reht als er waere gßlilnet, da;
        

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