Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1001836
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Abenteuerritte. 
61' im Frälußlldißllst (p. 1G'0-291). S0 wunderlich Ulrichs Zug uns 
auch erscheinen mag, so lesen wir doch in Joh. Rothe's Chronicon 
Thuringiae (von ern Waltmanne von Setilstete rittere), dass schon 1226 
ein Ritter Waltman von Setilstete den Landgrafen Ludwig zum Turnier 
in Merseburg begleitete „und mit eme eyne wolgesmuckete jungfrowin 
uf eyme zceldin pferde, dy solde furin eynen wol bereittin sperber mit 
eyme gudin stouber" (Aufstöberhund). Waltman machte bekannt, dass 
er bis zu seiner Rückkehr nach Eisenach bereit sei, mit Jedermann 
zu kämpfen; wer ihn niedersteche, solle die Jungfrau, den Zelter, den 
Sperber samt dem Hunde und dazu noch seinen Harnisch haben, die 
Jungfrau aber dürfe sich mit einem goldenen, einen Gulden werthen 
Ringe lösen. Wen er jedoch besiege, der solle sowohl ihm, wie der 
Jungfrau einen Ring in gleichem Werthe verehren. Als das Mädchen 
nach Eisenach zurückkommt, hat es so viel Ringe, dass es alle Hof- 
jungfrauen damit beschenken kann. Noch abenteuerlicher ist das 
Turnier, das lVloriz von Craon veranstaltet. Er lässt sich, um der 
Gräfin von Beaumont ein ganz neues Schauspiel Vorzuführen, ein Schiff 
bauen, wohl beschlagen am vorderen und hinteren Bug, das auf 
Rädern ruht und ringsum mit Scharlachtüchern behängt ist. Das 
Steuer (merruoder 674) wird angebunden; messingne Anker und seidne 
Taue fehleunicht; vom Maste weht dem Segel gleich des Ritters 
Banner. Nachdem noch Lanzen im Vorrath angeschafft, spannt man 
Pferde vor, die unter dem Umhang verborgen sind, und so fahrt er durch 
Frankreich bis zum Schlosse Beaumont (vgl. Th. l, S. 483), besteht 
gegen die Ritter im Schlosse mit seinen Begleitern ein Turnier und 
schenkt endlich Schif und Ausrüstung den fahrenden Leuten und Allen, 
die ihn ansprechen (Moriz von Craon, hgg. v. M. Haupt, 621-1080). 
Die Romane erzählen dann oft, dass Ritter einen Preis, gewöhn- 
lich einen Sperber aussetzen für den, der, die unvergleichliche Schön- 
heit ihrer Damen bestreitend, sie im Kampfe besiege. 
Das alles sind ritterliche Thaten, aber eigentlich nur Vorspiele 
zum wirklichen Turniere. 
Sobald ein Fürst oder ein reicher Ritter ein Turnier zu veran- 
stalten beschlossen hatte, schickte er Boten 1) aus, welche es aus- 
riefen 2) oder durch Briefe zur Betheiligung einluden. Matthaeus Paris 
1) Reinfried 6985 Ff.  Laneeloet HI, 16403 ß". 
2) Rom. de 1a Chur. 5377: Et firent ä molt lonc termine Crier 'le jor de. 
Pahatine, Porce que plus i äust genz.  Li biaus desconneus 5204: Et li rois 
a. fait Hancer Le tournoielnent ü, 12b cort; Et dist que cascuns s'en acort Lä ü
        

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