Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1001789
der 
Schöne Form 
Waffenübung. 
lernen, zu erproben, welche unter ihnen besonders tüchtig und brauch- 
bar sich bewährten. Solchen Rittern wurde dann in der Schlacht ein 
Colnniando anvertraut, eine schwierige Stellung zu vertheidigen ge- 
geben; ein tüchtiger Turnierheld konnte sich Ansehen, Hab und Gut 
und Ehrenstellen erwerben.  
Wie man es aber grade im zwölften und dreizehnten Jahrhun- 
dert so oft und so gut verstand, das laraktisch Erforderliche auch 
schön und anmuthig zu gestalten, wie die Baumeister unserer gothi- 
sehen Kathedralen die nothwendigen Abwässerungen benutzten, jene 
reizenden Wasserspeier zu schaifen, in deren plastischem Schmucke der 
schalkhaite Humor so prächtig zur Geltung kommt, wie sie die zur 
Stütze der Gewölbe bestimmten Strebepfeiler und Strebebogen so 
zierlich und gefällig ausbildeten, dass sie nicht allein ihre architekto- 
nische Function erfüllten, sondern dem ganzen Bau zur Zierde dienten, 
so haben die Ritter auch das Turnier zu einem schönen Feste um- 
gestaltet, voll Poesie und Anmuth, und die Manövrirübung zu einem 
Glanzpunkte höfischer Feinheit ausgebildet. Und diese Verfeinerung, die 
Aufstellung der Turniergesetze und -Gebräuche verdanken wir wahr- 
scheinlich dem schon genannten Godefroi de Preuilly; er hat aus einer 
rohen Waiienübung ein schönes Fest, an dem auch die Damen ihren 
reichen Antheil hatten, zu machen verstanden. Die schöne Form ist 
auch allein den nachfolgenden Geschlechtern im Gedächtniss geblieben; 
als schon längst das ganze Kriegswesen umgestaltet war, die Ge- 
schwader der Panzerreiter nicht mehr in der Schlacht den Ausschlag 
gaben, und so auch die Turniere zur Uebuilg der Ritterschaft nicht, 
mehr zu dienen brauchten, da hat man sie Wenigstens als höfische Spiele 
noch Jahrhunderte hindurch lebendig erhalten. 
Das Turnier (mhd. turnei, afr. tournoi von tour, mlat. tornus die 
Drehscheibe), im Lateinischen gewöhnlich Hastiludium oder Torn ea- 
qui quotiens cecidit, contumacior surrexit, cum magna spe deSßell- 
dit ad pugnam.  Künik Tirol 29 (HMS. I, T): Sun, turnei niachet TiSChG (11813. 
Da VOR Wil iCh dir raten niet. Turnieren wirdet mannes lip, Dur wirde 101161113 Si 
diu wip. 'l'nrnieren daz ist ritterlich, So hoert zuo strite dringen und Veste 11315811 
herteklich.  Frauendienst p. 10, 9: Hin heim sä in daz Stirelant (anno 1219), 
Dä ich vil turnirens vant Von knehten, daz was dö der sit: Si lernten riterschaft 
dä. 1nit;p. 10, 29: Dö fuor ich turnirn knehtes Wis Durch lernen und durch 
knehtes pris, Allenthalben reht driu jär. D6 wart ich ritter, daz ist wär, Ze 
Wiene ze einer höchzit (a. 1222); p. 70, 27; Die stachen hie durch höhen 11111013, 
Die andern dort wan umb daz guot: Dä tjostirt nmnges ritters lip Durch anders 
niht wan durch die wip: S6 stächen die durch lernen dä, Jen durch pris dort 
anderswä.
        

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