Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000521
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1001759
in England. 
Turniere 
Stephan (1135-54) stattgefunden, als durch dessen unschickliche Weich- 
lichkeit die öffentliche Ordnung gänzlich zerrüttet war. Denn unter 
den früheren Königen und auch unter Heinrich II., welcher Stephans 
Nachfolger wa1'(1154-89), waren die Waffenübungen der jungen Ritter 
gänzlich untersagt, und die, welche aus Liebe zum Waifenruhme sich üben 
wollten, setzten über das Meer und übten sich in den naheliegenden 
Ländern. Der erlauchte König Richard jedoch wollte, in Erwägung, 
dass die Franzosen im Kampfe um so tüchtiger waren, je mehr sie 
Uebung und Erfahrung sich erworben, dass die Ritter des Reiches inner- 
halb seiner Landesgrenzen sich übten, damit sie durch dies festliche 
Vorspiel der Kriege die Kunst und den Gebrauch der Wahren Kriege 
erlernten, und damit die Franzosen nicht mehr die englischen Ritter 
ungeschickt und weniger erfahren schelten sollten. Zu wissen ist, 
dass auf drei allgemeinen Concilien unter drei verehrungswürdigen 
römischen Päpsten diese Walfenübungen verboten worden sind. So 
sagt im (dritten) Lateranischen Ooncile (1179, Canon XX) Papst 
Alexander (III. 1159-81): "Folgend den Spuren unsrer Vorgänger 
der Päpste Innocenz (II. 1130-4231) und Eugen (III. 1145-532) 
seligen Andenkens, verbieten wir die abscheulichen Handlungen (detesta- 
biles nundinas), die man gewöhnlich Turniere nennt und zu denen ver- 
abredetermassen Ritter zusammenkommen und verwegen mit einander 
kämpfen, wodurch der Tod von Menschen, Gefahren der Seelen oft 
veranlasst werden. Wenn einer von ihnen tödtlich verwundet vvorden 
ist, so soll ihm auf seine Bitte zwar die Beichte abgenommen werden, 
er jedoch eines christlichen Begräbnisses verlustig sein.) Obschon also 
diese festliche Zusammenkunft junger Ritter (tironum) unter schweren 
Ahndungen verboten ist, so verachtete doch der Eifer der jungen 
Leute, welche den Waifenruhm über alles liebten und sich der Gunst 
der Fürsten, die erprobte Ritter haben wollten, erfreuten, bis jetzt 
noch die Anordnung der kirchlichen Fürsorge  
Richard wollte, das geht aus dem soeben angeführten Berichte 
und aus dem Zeugnisse des Matthaeus Paris 4) klar hervor, seine Ritter- 
1) Concil zu Reims 1131, Canon XII.  Zweites Lateranisches Concil 1139, 
Canon XIV. 
2) Concil zu Reims 1148, Canon XII. 
3) Die Verbote fi-uchteten wenig genug. 1287 musste sogar auf dem Concil 
zu Würzburg (Can. IV) den Geistlichen bei Strafe des Bannes die Theilnahme an 
Turnieren untersagt Werden. 
4) 1194: Eodem tempore Rex Richardus in Angliam transiens statuit per loea 
certa torneamenta. fieri, hac fortassis inductus ratione, ut milites regni utriusque
        

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