Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-995698
Kamin. 
in einem solchen Saale und selbst in einer kleineren Kemenate muss 
damals herzlich ungemüthlieh gewesen sein. Mit Pelzen und warmen 
Kleidern konnte man sich allerdings wohl etwas der Kälte erwehren, 
aber wie unbequem, den ganzen Winter hindurch beständig in so 
lästigen Kleidern den ganzen Tag über einherzugehen. Auf den 
ersten Blick kann das Klagen der Dichter über das Herannahen des 
Winters, die Freude, mit der sie die Ankunft des Frühlings begrüssen, 
etwas aifectirt und manierirt erscheinen, und es mag dies auch hin 
und wieder der Fall gewesen sein, aber im allgemeinen ist der wahren 
Stimmung des Volkes nur Ausdruck verliehen. Selbst die Residenzen 
der Vornehmsten waren gegen den Winter sehr mangelhaft gerüstet; 
wie mögen erst die ärmeren Klassen gefroren haben. In der Anlage 
dieses Capitels habe ich zusammengestellt, was ich über das Klima 
unserer Zeit habe ermitteln können. Jedenfalls sind die Winter nicht 
gelinder gewesen als zu unserer Zeit. 
Allgemein heizte man damals mit Kaminen. Ich denke, auch 
Wolframs etwas unklare Beschreibung 1) bezieht sich auf einen Kamin; 
oder sollte er sich wirklich im Prachtsaal der Gralsburg nur drei 
nach allen Seiten offene Feuerstellen gedacht haben? Vielleicht han- 
delte es sich um freistehende Kamine, deren Rauchmantel von vier 
durch Bogen verbundene Säulchen getragen wurde. Es ist mir zwar 
kein derartiges Monument bekannt, aber die Beschreibung, welche 
Chrestien de Troies 2) von solchem Kamin entwirft, scheint unzweifel- 
haft in der von mir versuchten Weise zu ergänzen zu sein. Gewöhnlich 
aber waren die Kamine an die Wand angelehnt, merkwürdiger Weise 
oft an eine äussere Mauer, so dass der Schornstein schneller noch 
erkaltete. Der weit vorspringende Rauchinantel wurde dann von zwei 
Säulchen und auf denselben aufliegende Kragsteine getragen. So der 
schöne Kamin im Amtshause der Kathedrale zu Puy-en-Velay (Viollet- 
Le-Duc lll, 195), im Schlosse zu Vauce (ib. 196), die in den Schlössern 
Roehester, Clydon und Stoke-Say (Hudson Turner p. 12. 148. 160) 
und in der Abtei Abingdon (ib. 83). In Deutschland haben wir als 
Hauptdenkmal dieser Gattung den prächtigen Kamin des Schlosses 
1) Parz. 230, 8: Mit marmel was gemüret Dri vierekke üwerrame: Dar üffe 
was des üwers name, holz hiez lign alöä; 808, 11: Mitten durch den laalas. Driu 
gröziu flwer gemachet was, Lign alöä des üwers smac. 
2) Perceval 4271: S'ot devant lui -j- fu moult grant De säces boises, cler 
luisant, Qui fu outre  coulolnbes. Bien päust-on  c- homes Asöir en- 
v-iron le fu, Sßäust cascuns aaise et lu. Les coulombes moult fors ßStOiellt Qui 
les ceminiaus sostenoient, Durain espäs et haut et 16.
        

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