Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-995687
Fenster. 
eindringen zu lassen oder im Dunkeln zu sitzen. Man konnte sich 
nun helfen, wenn man ausser den schweren Laden auch kleinere, 
leicht bewegliche Holzrahmen am Fenster befestigte und diese mit 
Hornplatten, geiirnisstem Pergament etc. ausfüllte  S0 erhielt man 
Wenigstens einen Fensterverschluss, der einiges Licht durchliess. 
Diese Rahmen bewegten sich in horizontalen, nicht verticalen 
Angeln. Reste dieser Vorrichtungen sind noch einige in fran- 
zösischen und englischen Schlössern erhalten 2). Fensterverglasung 
war damals noch etwas sehr Seltenes. Waren auch schon seit Jahr- 
hunderten Glasscheiben zum Aussetzen der Kirchenfenster verwendet 
worden, so ist doch erst gegen Ende des 12. Jahrhunderts in Privat- 
häusern Fensterverglasung nachzuweisen. Gewiss galt die Anwendung 
des Scheibenglases als ein grosser Luxus. Die Dichter erwähnen Glas- 
fenster sehr häuiig3), ja Chrestien de Troies spricht ganz klar von 
farbigen Glasmalereien 4). 
Fest war der Verschluss auf keinen Fall, und kalt genug muss 
es in einem solchen Saale immerhin bei kühlem Wetter gewesen 
sein. Auch wird man bei verschlossenen Fenstern nicht gerade viel 
gesehen haben, selbst wenn Glasscheiben eingesetzt waren; jedenfalls 
hat man sich doch der kleinen grünlichen Nabel- oder Butzenscheiben 
bedient, die noch Jahrhunderte hindurch im Gebrauch blieben. Dazu 
kommt die mangelhafte Art der Heizung. Mag man auch damals mit 
dem Brennmaterial weniger als heut gegeizt haben, so scheint es doch 
höchst unwahrscheinlich, dass in den grossen Sälen jemals eine be- 
hagliche Temperatur sich entwickelt hat. Die Kamine mit ihren 
weiten Schloten rauchten leicht, die Wärme strahlte nur in unmittel- 
barer Nähe aus, durch die Fenster kam Zugluft, kurz der Aufenthalt 
 
1) Jacob Falke, Ueber Fensterverglasung im Mittelalter (Mitth. d. k. k. Com- 
inission VIII, 1). 
2) Citadelle zu Verdun, Maison des Musiciens in Reims (Viollet-Le-Due V, 
406. 410). In einem Landhause zu Coggs (Oxfordshire) und zu Cottesford (Hud- 
son Turner a. a. O. 161. 162).  
3) Erec 3018: Durch ein vensterglas Schein.  Herb. Troj. 1821: Da, bi harte 
schoene glas.  Parz. 553, 4: Einhalp der keinenäten want Vil venster hebe, dä 
vor glas. Der venster einez offen was Gein dem bouingarten.  Lanc. I, 39635: 
Ende an die zale, Wien dats wondert Stoden vensteren -vij  hondert Glasijn, daer- 
men oppenbare Dore 88,011 ofs glas nine Ware Van in die camere tot opten vlore. 
Cf. III, 25501; IV, 2513. 
4) Ferc. 9037: Li voirres fu pains im coulors, Des plus rices et de inellours 
(l'on sace deviser et faire.  Die Stelle im Blancandin 3348: was fenestres lmintos 
ü. üor" ist W01 auf die Malereien der Fenster-irische zu laeziehen.
        

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