Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-995631
Fussboden. 
Fenster. 
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Bewunderung erregen. Solche farbige Thonlliesen wurden mit sel- 
tener Geschicklichkeit angefertigt und mit schönen Ornamenten, Thier- 
tlgilren, Itanlrenwerk, Wappenschilden etc. verziert. Die meisten 
derartigen Arbeiten sind noch in ÄKiirclieii erhalten. Viollet-Le-Duc 
theilt (H, 267 ff.) solche Platten aus Saint-Pierre-sur-Dive l) und aus 
der Kathedrale zu Laon mit. Andere ebenfatlls schon gemusterte Thon- 
platten rühren aus dem Schlosse Coucy her (ll, 270). Reicher liessen 
Sich solche Verzierungen herstellen, wenn nur die Zeichnung in die 
Steintafel eingeschnitten wurde. Da hatte der Künstler bei weitem 
mehr freie Hand, als wenn er die complicirten Formen für den Ziegel- 
Streicher herstellen musste, abgesehen davon, dass natürlich die Thon- 
platten sich wiederholten und auch die Muster der schwierigen Technik 
Wegen nicht zu künstlich gehalten sein durften. Auf die Steinplatte 
zeichnete der Künstler die Figuren, Ornamente oder menschliche Ge- 
stalten, Thiere, Blumen frei in starken Conturen auf. Diese wurden 
tief in den Stein eingeschnitten und dann mit einem haltbaren Kitt 
ausgefüllt, der so gefarbt war, dass sich die Zeichnung nun klar und 
deutlich ausprägte. Viollet-Le-Duc giebt uns (V, 11 ff.) prächtige 
Proben von solchem kunstvollen Pflaster aus den Kirchen in Saint- 
Menoux bei Moulins, aus der Kathedrale von Saint-Omer, vor allem 
aus der Abteikirche von Saint-Denis. Dass aber eine so schöne Aus- 
führung des Fussbodens nicht allein in Kirchen vorkam, dass man 
auch die Säle der Schlösser so reich und geschmackvoll decorirte, 
beweist die unten angeführte Stelle 2), welche wohl nur so zu ver- 
stehen ist.  
Licht erhielt der Saal durch bald grössere, bald kleinere Fenster. 
War eine Seite desselben so gelegen, dass der Feind sie nicht mit 
seinen Geschossen bestreichen konnte, dann nahm man nicht Anstand, 
nach dieser Richtung hin grosse Fenster zu durchbrechen. S0 konnte 
dißS unbßdenklich beim Saalbau zu Eger geschehen, du diese Seite 
durch den Fluss hinreichend gedeckt ist, und auch derSaal der Wart- 
burg, der durch zahlreiche grosse Fenster von Osten her Licht erhält, 
war nach dieser Seite durch den steilen Bergabhang vor jeder Gefhhr 
sichergestellt. Der Gelnhausener Palast ist dagegen sehr dürftig be- 
leuchtet. Wenn wir annehmen, dass die Fensterreihe nach dem Burg- 
1) Auch bei De Caumont, Abecedaire I, 441 abgebildet. 
2) Li biaus desconneus 4673: Li pzwement fu fait ä, flors, Ä images et ä oisials. 
Tant-fu bien fait et tant fu bials Qnfen tot le mont, ne en 1a 111er, Jä 11113 110m 
ne poroit trover Poisson, beste, n'oise1 Volant Ne fußt ouvres el pavement.
        

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