Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-995613
Saalbau. 
mir zwar aus jener Zeit auch nicht ein Beispiel bekannt; wenn wir 
jedoch bedenken, in welch traurigem Zustande sich die spärlichen 
Reste der uns erhaltenen Schlossbauten befinden, so werden wir daraus, 
dass wir jetzt keine Spur ehemaliger Bemalung an den Wänden nach- 
weisen können, schwerlich schliessen dürfen, dass dieselbe überhaupt 
nicht vorhanden war. Da die Schilderungen der Dichter sich sonst als 
zuverlässig bewähren, wird man auch in diesem Punkte ihnen Glauben 
beimessen können. 
Aus der Laube führte nun eine Thür in den Saal. lni Schlosse 
Tirol ist dies ein runrlbogiges Portal und auf dem Bogenfelde ist ein 
Engel sculpirt, der mit der einen Hand einen Lilienstengel hält, mit 
der anderen den Eintretenden segnet (a. a. O. XLI). Ein im Palast 
zu Gelnhausen erhaltenes Relief, das Hundeshagen sehr ungenügend 
abgebildet hat (T. Xll. C) und das er in der von ihm recht kindlich 
reconstruirten oberen Etage an einer Balconthür unterbringen will 
(T. V), wird wohl zu dem längst zerstörten inneren Portale des Saales 
gehört haben. Die Thüren selbst sind geschnitzt und mit kunstreich 
geschmiedeten Metallbändern beschlagen 1). Der Saal in Eger ist 80 Fuss 
lang, 33W, Fuss breit; der von Gelnhausen 78' : 35'; der Saal im obersten 
Geschoss der Wartburg 120' z 33', der im Mittelgeschoss 48': 33'. 
Gewöhnlich sind die Säle nicht gewölbt, sondern mit einer Balken- 
decke versehen 2). Die Hauptbalken (poutres) ruhen auf Kragsteinen, 
die consolenartig aus der Mauer hervortreten (corbeaux) und tragen 
ihrerseits die Lagerhölzer (solives), auf welche die Bretter des Fuss- 
bodens aufgelegt sind. Man vernagelte später gern die Fugen der 
Bretterverschalung mit kleinen Leisten und erhielt dadurch für den 
Plafond noch eine feinere Gliederung. Alexander Neckam (de naturis 
rerum Ved. Thom. Wright, Lond. 1863) verspottet Cap. CLXXII die 
kostbar geschnitzten Decken: „scilicet opus erat, ut caelaturae episty- 
vor, Und der wende müre Mit golde und mit läsüre Geverwet und gezieret. Die 
Steine W01 gevieret Von bilden wären schöne ergraben.  Percev. 32059: De 12b 
graut sale sont issu Si sont entre en une loge, Not plus bele jusqlfäu Lynwge, 
A 01', ä asur laainturäe.  Aber vom Thurme Ylion scheint er doch die Aussen- 
seite nur zu beschreiben, Troj. 17462: Er was mit vlize vollebreht Üz grözen 
quädersteinen. Die gäben alle reinen Und üz erwelter varwe schin. Gesmelzet 
und gemälet drin (in den Quadern oder im Innern des Thurmes?) Was beidiu 
läsür unde golt. Durch küniclieher ären solt Was dar an besunder Vil manic 
wildez wunder Gebildet und gehouwen. 
1) Lanceloet I, 39631: Dus quamen si ter zalen binnen, Die rikelije was in allen 
sinnen. Die doren waren mit golde verweven unde menech dier daer op verheven. 
2) Troj. 17506: Von zäderholze reine Was allez sin gezimber.  
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