Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-995409
Fallgitiaer. 
freiliess (vgl. Fig. 1), herabgelassen jedoch durch seine Schwere die 
gerade in ihrem Bereiche beündlichen Bleinde niederschlug und die 
Angreifer momentan Wenigstens vom Eindringen abhielt, den etwa 
schon eingedrungenen Feinden den Rückzug abschnitt 1). Waren am 
Eingange und am Ausgange 2) der ziemlich tiefen Thorhalle solche 
Fallgatter angebracht, so konnte leicht ein kecker Eindringling ein- 
gesperrt, entweder durch Schüsse aus den in der Thorhalle angelegten 
Schiessscharten getödtet oder hülflos zur Ergebung gezwungen Werden. 
Ein sehr instructives Beispiel einer solchen Thoranlage bringt Viollet- 
Le-Duc (VII, 346) bei 3), indem er das von Philipp dem Schönen ge- 
baute Thor zu Villeneuve-lez-Avignon beschreibt, Grundrisse, Aufrisse 
und Durchschnitte dieser interessanten Fortiücation mittheilt. Zwei 
mächtige nach aussen halbrund vorspringende Mauerthürme flankiren 
den Eingang; sie sowie die Thorhalle, über der sich noch ein höherer 
Thurm erhebt, sind mit Machicoulis und Zinnen bekrönt. Am Eingang 
und Ausgang der tiefen Thorhalle sind Fallgitter angebracht, in den 
beiden Seitenthürmen sind Schiessscharten ausgespart, die nicht nur 
die Annäherung an das Thor erschweren, sondern die auch die innere 
Thorhalle beherrschen. 
Einen eigenthümlichen Mechanismus des Fallthores beschreibt 
Hartmann von der Aue im lwein4). Wer da nicht genau die nur 
dem Eingeweihten bekannte Richtung beim Hineingehen oder Hinein- 
reiten in das Thor beobachtete, setzte irgend eine Maschinerie in 
Bewegung, die sofort das Fallthor herabfallen liess. Zahllose mittel- 
alterliche Stadtsiegel zeigen ein von Thürmen flankirtes Thor mit 
einem Fallgitter. 
Eine andere Gattung von Fallthoren scheint jedoch auch das 
ganze Mittelalter hindurch im Gebrauch gewesen zu sein, die zwar 
selten erwähnt wird, uns aber durch Abbildungen wohlbekannt ist. 
Die aus mächtigen Holzbohlen gezinmierte Thür ist an dem oberen 
1) Froissart II, c. 149: Quant ceux qui estoient sur 1a, porte virent le grand 
meschef, ils eurent peur de perdre le ehäteau; si laisserent avaler le grand rastel 
et encloirent le chevalier. Vgl. II, c. 218. 
2) Iwein 1123: Dä vlöch näch dem ende vor Durch ein ander slegetor Und 
liez daz hinder ime nider. 
3) Die Construetion des Fallgitters und den Mechanismus des Aufziehens und 
Niederlassens erläutert er VII, 343. 
4) 1085: Sweder 'r0s oder man getrat Iender üz der rehten stat, Der ruorte 
die vallen unt den haft, Der dä alle dise kraft Unt daz swaare slegetor Von 
nidere üf habte enbor; Sö nam ez einen val Alsö gähes her zetal, Daz im 
nieman entran.
        

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