Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000270
Liebesintriguen 
Bauern. 
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so welle, Der widir rede daz, Der chan diu buoch baz. Der iewedirz 
sol sin zware Des anderen sele chameraere, Als ez des rede wil 
hau, Da si zejungist schulen erstan. 
Üeber die Liebesverhältnisse der Bauern sind wir nur wenig unter- 
richtet. Abgesehen davon, dass die Nachrichten über das Leben und 
Treiben der Bauern meist erst aus dem Ende des dreizehnten Jahr- 
hunderts herrühren, müssen wir auch bedenken, dass wir dieselben 
einzig und allein ritterlichen Dichtern verdanken, die sich ein Ver- 
gnügen daraus machen, die Bauern möglichst täppisch und komisch 
erscheinen zu lassen. Trotzdem bietet das Wenige, was wir wissen, 
doch manche interessante Züge; (las ganze Behaben des Landvolkes 
erinnert an die höfische Sitte, nur dass diese karrikirt dabei erscheint. 
Die Bauermädchen waren noch weniger spröde als die adligen 
Damen. Ein recht handgreiflicher Scherz wurde nicht übel genommen 1) 
und selbst die Spiele der Mädchen wie das ,Wemplink bergen" (Nith. 
Vll; HMS. lll, 189) zeugen nicht gerade von grosser Sittenstrenge. 
Im Walde fand so manche ihren Geliebten, und leicht war es da 
ihre Gunst zu erwerben 2). Aber auch im Hause konnte der glück- 
liche Liebhaber sein Mädchen des Nachts heimlich aufsuchen: er 
musste nur mit Tagesanbrueh sich davon schleichen. Wie dem ad- 
ligen Galan der Wächter von der Zinne die Zeit des Aufbruches ver- 
kündete, so war für den bäuerlichen Don Juan der Ruf des Hirten das 
Signal, das ihn ans Scheiden mahnte 3). Ja die jungen Dirnen ziehen 
wohl selbst Männerkleider an und jagen des Nachts Abenteuern nach, 
locken selbst Liebhaber 21.114): "Wann meitum ist ein wildez gut Und 
1) Nithart CXI (HMS. III, 272) 4: Miner ougen Weide greif er an den vude 
1101; 5: „Her Nithart, senftet iuwerm leit! Ez ist ze guote wol ergan, Sit sin hant 
niht witer kam, denne uf den vüdel nol. Iuwer Iaster w2er' ze breit, I-Iaet" er rehte 
sich verstan, Daz sin Vinger wser" gesnellet, da man schimpfen sol"; 6: Daz er der 
minnikliehen an ir künnelin gegreif; 7: Ez ist wol vrouwen e geschehen, An' ir 
willen, sunder dank, Daz der lieben wol getanen da von im geschach. 
2) Nithart XX (HMS. U, 115). 
3) Her Steinmar VIII (HMS. II, 157) 1: Ein kneht der lak verborgen Bi einer 
dirne er slief, Unz uf den liebten morgen. Der hirte lute rief: „Wo1 uf, laz uz die 
herb!" Des erschrak diu dirne und ir geselle wert; 2: Daz stro daz muosif er rulnen 
Und von der lieben varn, Er torste sich niht sumen Er nam si an den am; Daz 
höu, daz 0b im lak, Daz ersach diu reine uf vliegen in den tak; 3: Da von si 
muoste lachen; Ir sigen diu ougen zuo; So sueze kunde er machen In dem mor- 
gen vruo Mit ir daz bettespil: Wer sach an' gerate ie vröuden me so vil. 
4) Renner 12487: „In mannes cleidern nahtes netten Die jungen knappen zu 
uns locken, Die fügens uns paz danne tot tocken." So getan meide, da für ich ez 
han, Werbent vil mere umb die man, Denne die man u1nb si nu werbent.
        

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