Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000223
512 
VII. 
des englischen Königs. 
Krönung 
in goldgestickten Sandalen und wird nun vom Erzbischof von Canter- 
bury an Haupt, Schultern und am rechten Arm gesalbt. Dann wird 
ihm aufs Haupt ein, geweihtes Leintuch gelegt und ein Hut (pileus) 
aufgesetzt. Nachdem er die königlichen Gewänder, Tunica und Dal- 
matica angelegt hat, überreicht ihm der Erzbischof das Schwert, das 
er zur Unterdrückung der Feinde der Kirche führen soll. Darauf 
schnallen ihm zwei Grafen die Sporen an; er legt den Königsmantel 
an. Der Erzbischof beschwört ihn nun bei Gott, die Königswürde nicht 
anzunehmen, wenn er den feierlichen Eid nicht zu halten gedenke, 
und dann empfängt der König die Krone vom Altare, reicht sie dem 
Erzbischof und wird von demselben gekrönt; das Scepter hält er in 
der Rechten, den Königsstab in der Linken. Nach Beendigung dieser 
Cärimonie wird er von den Bischöfen und Baronen unter Vortragung 
des Kreuzes, der Lichter und der drei Schwerter nach seinem Kirchen- 
stuhl geführt und hört dort die Messe, wird dann nochmals zum Offer- 
torium und zur Pax in Procession geleitet und kehrt endlich in den 
Chor zurück, wo er die Krönungsinsignien ablegt, leichtere Gewänder 
anzieht und die schwere Krone mit_ einer leichteren vertauscht, und 
begiebt sich dann zum Frühmahle. 
Es stimmt nicht recht mit diesem Berichte die Mittheilung des 
Gervasius Dorobornensis, der zum Jahre 1194 erzählt, dass bei der 
nochmaligen, nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft auf Rath des 
Erzbischofs von Canterbury vorgenommenen Krönung des Königs man 
die Form dieses Actes ganz vergessen und erst in Canterbury, wo 
der König Stephan gekrönt worden war, sich Raths erholt habe. Wie 
dem auch sei, die neue Krönung fand zu Winchester am 17. April 
1194 statt und wird von dem eben genannten Autor folgendermassen 
geschildert: "Zuerst ging der Erzbischof, die Bischöfe und andre im 
heiligen Ornat, gefolgt von den Haufen (der Kleriker) in das Zimmer 
des Königs, wo auf einem ausgebreiteten Teppich der königliche 
Ornat, nämlich der viereckige golddurchwirkte Mantel, die Tunica, 
die Sandalen, die Armbänder, das Schwert, die Sporen, der Stab, das 
Scepter und die Krone ausgebreitet waren, und wo der König be- 
kleidet wurde. Nachdem diese Kleider angelegt waren, gab der Erz- 
bischof dem Könige den Stab in die Linke, das Scepter in die Rechte, 
auf das Haupt aber setzte er ihm die Krone und sprach das Gebet: 
Coronet te Dominus. Nachdem darauf von dem Sänger das Respon- 
sorium „Honor, virtus" begonnen war, gingen alle in Procession nach 
der Kirche, der König zuletzt; vier Barone trugen vier brennende 
Kerzen vor ihm her, vier andre Barone an vier Stäben einen Traghimmel
        

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