Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000127
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VII. 
Einholung 
Fürsten. 
Wie schon bemerkt, zog auf Befehl die Bürgerschaft dem An- 
kommenden entgegen, die Frauen und Mädchen tanzend und singend, 
von Musikanten begleitet, die Männer hoch zu Ross in Kanipfspielen 
sich tummelnd (Saba Malaspina lib. ll, cap. XVII, XVlll; Guill. de 
Palerne 2928 ff; Durmairs 15393; Rom. des sept sages 696). Bei der 
Rückkehr entstand dann gewöhnlich am Stadtthore ein grosses Ge- 
dränge, und von den Reitern wurde so mancher schwer verletzt 1). Als 
König Philipp August 1214 nach der Schlacht von Bouvines wieder 
in seine Hauptstadt einzog, „da frohlockte in ihrer Festfireude bei An- 
kunft des Königs, geschmückt mit seidenen und verschiedenen Stoffen, 
die ganze Stadt Paris mit Fackeln und Laternen, mit Gesängen und 
Beifallsklatschen, mit Trompetengeschmetter und Lobliedern, den Tag 
über und die folgende Nacht hindurch" (Matth. Fan). Auch Johanna, 
die Tochter Heinrichs II. von England, welche Ende Januar 1177 nach 
Palermo geführt wird, dort den König Wilhelm von Sicilien zu hei- 
rathen, wird mit grossem Apparate empfangen: „Und da sie und ihre 
Begleiter Nachts in der Stadt Palermo anlangten, jubelte ihnen die 
ganze Stadt zu, und so viele und so grosse Lichter wurden angezündet, 
dass man hätte glauben können, ein grosser Brand wüthe in der Stadt, 
und dass der Sterne Strahlen gegen den Glanz so grosser Lichter gar 
nicht zur Geltung kommen konnten" (Bened. Petrob. ed. W. Stubbs 
l, 157). Eine sehr anschauliche Schilderung von einem solchen Fest- 
einzuge ist uns in den grösseren Annalen von Parma erhalten. „Im 
Jahre 1331, Mittwoch den 24. April, kehrte der König (Ludwig der 
Bayer) von der erwähnten Verhandlung nach dem Frühessen nach 
Parma zurück, und entgegen gingen ihm Alle zu Fuss und zu Pferde, 
wer sich nur fortbewegen konnte, Männer und Weiber, Greise und 
Kinder, mit allen Bannern und Fahnen der Gemeinde, der Gewerke, 
der Dienstleute und Bauern der Stadt Parma. Und manche gingen 
bis zur Brücke von Hentia, und die Knaben und Jünglinge, mehr als 
tausend, geleiteten ihnzurück, mit Baumzweigen und Kränzen ge- 
schmückt, tanzten und riefen: er lebe, er lebe, Frieden, Frieden. Und 
zwei gestreifte Pfeller wurden über ihm getragen, und Edelleute sowie 
Bürger von Parma führten sein Ross am Zügel und hielten die Steig- 
bügel, und alle Glocken der Gemeinde, des Domes und aller der an- 
1) Ottokau- DCLXXXVII: Maniger der gesunder glider Hinzu geritcn chzun, 
Der ward da gemachet lam Von nlanigenl harten stos, So gar ward der gedrzmg 
gros; DCCLXXIV: D0 dicz gesinde hin Zu der purg mit in, D0 wart aus den 
geliden Manig pain verriden Von gedrang und sbosszen.
        

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