Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1000065
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VII. 
Morgen 
nach 
dem Hochzeitstage. 
ihm etwas zu lange 1). Blanchefleur, die, wie ich oben bemerkte, 
dreimal schon zu Perceval ins Bett gekommen ist, schlägt ihrem Gre- 
mahl vor, die Keuschheit zu bewahren, und er geht auch darauf ein; 
eine himmlische Erscheinung beiiehlt ihm jedoch, Kinder zu zeugen. 
Die Braut war ihrem Gemahl bekleidet mit einem Hemd über- 
geben worden: er zieht es ihr aus 2). Gottfried von Strassburg erzählt. 
es sei Sitte gewesen, dass in der Hochzeitsnacht dem jungen Paare 
Wein zur Stärkung gebracht wurde 3); indessen andre Dichter ge- 
denken, so gern und ausführlich sie gerade diese Situation besprechen, 
dieses Gebrauches gar nicht, und so ist die Vermuthnng nicht auszu- 
schliessen, dass der Dichter diese Sitte bloss iingirt hat, um der Isolde 
eine schickliche Gelegenheit zu bieten, ihre treue Brangäne im Bette 
des Königs Marke abzulösen. 
Den nächsten Morgen 4) in aller Frühe kamen die Freunde und 
Verwandten, das junge Paar zu begrüssen und zu beschenken 5). 
Wenn die Thür verschlossen war, so musste man wenigstens erst 
klopfen G); aber oft werden die Liebenden überrascht, und das giebt 
dann zu mehr oder weniger gelungenen Scherzen Anlass T). Die Ange- 
1) Mai u. Beafl. p. 92, 32: Minneclich er zuo ir sprach: ,Des gebetes ist nü 
genuoc". An daz bette er si truoc, Da was dehein rede wider: Er legte sich zuo 
ir nider Und zöch ir ab daz hemde. 
2) Eracliusi 2275: Die frowen bedahte ir hemde. Daz mahter ir so fremde 
Daz si enweste war ez kam.  Aiol 8421: Mirabeus 1a pueele est remesse en -j- 
tertre Tout descauee en langle, nus pies estoit la bele, Si com en cele nuit qur- 
les noces sont faites. 
3) Trist. p. 318, 4: Zehant iesch ouch der künec den win: Da volget er dem 
site mite, Wand ez was in den ziten site. Daz man des alliche phlac, Swer sö bi 
einer megede lac Und ir den bluomen abe genam, Daz eteswer mit wine kam 
Und lie si trinken beide Samet an underscheide.  Die Stelle ,Athis D 52: Vur- 
dir tar ich nicht sprechin wes Sie begondin oder tätin. Grözin scal sie hetin Ir 
vriunt unde ir mäge In der wurme läge, Wen biz sie sich gevrouwitin gnuoc Und 
man trinkin dar getruoc; Dö sciedin sie sich alle Und vuorin dan mit scalle Dar 
sie zu tuone hatin" kann meines Erachtens hier gar nicht herangezogen werden, 
da der Wein augenscheinlich den Gästen, nicht dem jungen Ehepaare gereicht 
wird. 
4) Erec 2096: Aingois que ele se levast, Ot perdu le non de pucele: Au ina- 
tin fu dame novele. 
5) Ottokar DCCIII: Des morgens do dy sunn Den liehten tag pracht, D0 zer- 
gangen was dy naeht, D0 sach man chomen hie Zu dem pet alle die, Die dahin 
chumen solden. Den lant sit sy wolden Ervollen an in payden. Des ward ma- 
nig segen Über sew getan Von weihen und von man.  Titurel1863: Durch zit- 
lich ankleiden daz sie den breuten reich presente funden. 
6) HvF. Trist. 845. 
7) Lohengr. 2379. Die Freundinnen, die Lohengrin in seiner Brautkannner 
aufsuchen, finden das junge Paar noch schlafend; 2380: Dö sie im an den armen
        

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