Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-999975
Trauung. 
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hübsche Illustration hierzu bietet das von Ileideloff (Ornamentik (i, 
T. 5) publicirte, wohl aber etwas modern süsslich idealisirte Relief am 
Tympanon des südlichen Treppenthunnes der Kapellenkirche zu Rott- 
weil: ein Ritter in voller Rüstung steckt seiner Braut den Trau- 
ring an. 
Seit dem achten Jahrhundert verlangte die Kirche, dass die Trau- 
ungscärimonie von einem Geistlichen vollzogen werde (vgl. W. Wacker- 
naigel, Verlöbniss und Trauung, in der Zeitschr. f. deutsches Altth. II, 
548). In der höheren Gesellschaft pilegte man sich meist diesem An- 
spruche zu fügen, und nur in den volksthümlichen Epen finden wir, 
wie oben gezeigt, die alte Form der bürgerlichen Eheschliessung noch 
geschildert, die höfischen Dichter mit Ausnahme des Wirnt von Greven- 
berg 1) beschreiben meist die kirchliche Trauung 2). 
(1649) Ortwin von dem ringe ze im daz meidin Zukte minneclichen, ein guldin 
vingerlin Gztp er der kiiniginne in ir vil wizen hende. (1650) Dö umbeslöz oucli 
Hartmuot die nieit üz Irlant, Ir ietwederz dem andern daz golt stiez am die hztnt. 
 Der König von Rerat sagt (Wigaixiur 4616): ich wil dem künig wol geporen 
Von Lendrie, Weygamur, Die junge inagt Dulcefiuor Vestexi nach lztndes syt; 
4633: Wygamur tät nach gewonhait, Er gab der junckfrztwen genmidt Ein ge- 
niahel fingerlein. „Ir sült auch, herre, nemen daz mein" sprach die nmget süsse. 
Darauf küssen sie sich und der 'I':mz beginnt.  HVF. Trist. 654: Er gap ir sin 
vingerlin Und si im daz ir wider.  Aye d'Avign0n p. 62: Trait a un anelet 
dont il l'ot espousee; Oü ot  riehes pierres preeioses et cleres Et 1a ticrce y 
estoit, qui ert vaillant et clere.  
1) Wigulois p. 240, 36: Riäl, der künee von J eraphin Gap die lieben frouwen 
sin Im ze stazte näch ir bete: Mit rehter e wart an der stete Diu stzete gevcstent 
under in dä. Ein vingerlin daz leit er sä Der juncirouwen an ir hant; 241, 15: 
Dö kust er die künegin Und nam si in sinen gewa-tlt. Am nächsten Tage gehen 
sie zur Kirche, wo "man in eine messe sanc" (p. 242, 23). 
2) Erec 2123: Zesamen gap si dö Eines bischoves h-(tnt- Von Cztntwärjc üz 
lilngellant.  Alexius B 19: Si trüte ein loäbest mit siner hzint.  Pztiton. 17 398: 
Si gap ein patriarche sä Zein zuider unde ein bischof.  Lamceloet III, 18223: 
Ende dede enen papen comen vort Ende troude (hier die scone vronwe. Cf. Rein- 
fried 10384 ü".  Auberi p. 157, 15: Li seins hermites {ist la beneicon: "Diune", 
dist il, „v0ules le Borgignon?" „Oil, biau sire, que moult 1n'est bel et bon." Et 
puis apele Auberi peu: son non: .,V01es Guiborc a tres tout le roion?" Dist Au- 
beris „0il, par saint Fagon; Moult a grans tens que ie desir cest den."  Doon 
p. 241: Darchevesque Turpin son anel apresta, Des armes Damedien se vestu et 
armer; Quant les ot espouses, 1a messe leur canta.  Am 24. Mai 1209 wird die 
'l'0chter Philipps von Schwaben 1nit König Otto zu Würzburg vermählt. Paella 
jzun nubilis a duce Leopaldo Orientali et Ludevico duce Bawarie adductu tribu- 
nali sistitur im de consensu interrogata, verecundata ztdmodum ruboreque periusu 
se libenti animo consentire proiitetur. Mox e duce Leopaldo cognato suo per 
manus eardinalium lege Francornm regi Ottoni desponsatnr, a quo amantis- 
sime amplexata, publico signo osculi mutationeciue annulornm subarratur (Ottonig 
Frishigensis Hist. Continuatio Sanblasensis 51).
        

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