Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-999964
486 
VII. 
Trauung. 
lobung stattgefunden hat, wird eine besondere Ciirimonie bei der Trau- 
ung nicht vorgenommen. Kudrun wird dem Herwig verlobt, und dieser 
meint, er werde sofort die Braut als sein Weib heimführen; das will 
jedoch die Mutter Kudruns nicht zugeben und verlangt einen Aufschub 
von einem Jahre: er könne sich unterdessen die Zeit mit schönen Wei- 
bern vertreiben 1). Als dann (1648 if.) die anderen Paare heirathen, 
wird bei Kudrun und ihrem Bräutigam die Trauungscärimonie nicht 
mehr vorgenommen. 
Die Trauung vollendete die Eheschliessung. Da dieser Act stets 
mit Festlichkeiten verbunden ist, so verschiebt man die Hochzeit, falls 
Todesfälle in der Familie vorkommen, die eine laute Fröhlichkeit un- 
passend erscheinen lassen 2). Das Verhältniss der Trauung zur Ver- 
lobung zu bestimmen, muss ich den Rechtskundigen überlassen 3). Ich 
bemerke jedoch, dass die Formalität bei der Trauung der Kriemhilt 
genau der der Verlobung von Rüedegers Tochter entspricht (vgl. S. 485, 
Anm. 3). Vor dem Abendessen theilt Gunther der Kriemhilt mit, 
dass er sie einem Helden zugeschworen; man lässt sie in einen Ring 
treten und fragt die Jungfrau, 0b sie Siegfried zum Gemahl haben 
will; nachdem sie die Frage bejaht „ouch lobte si ze wibe der edel 
künec von NiderlantM); darauf umarmen sich die so ehelich Verbun- 
denen und küssen sich, wie dies die Sitte erfordert. Nach dem ge- 
meinsamen Abendessen wird das Beilager vollzogen und den nächsten 
Morgen das junge Ehepaar zur Einsegnilng in das Münster geführt 
(Nib. Z. p. 93, 3  97, 4). Der Ringwechsel wird bei den in der 
Kudrun geschilderten Trauungen, die im übrigen genau so wie die 
eben besprochene vor sich gehen, ausdrücklich erwähnt 5). Eine sehr 
1) Kudr. 664: Vrägen sine tohter näch rähe siner man Hetele dö begumlc, 
ob si ze einem man Wolte Herwigen, den edelen ritter guoten. Dö sprach diu 
nraget schoene nich wil mir niht bezzers vriundes lnuot-en". (665) D6 vestente 
man clie schoenen dem recken an der stunt.  (666) Er Wände mit im vüeren die 
juncvrouwen clan, Daz gunde im niht ir muoter. (667) Man riet Herwigen, dem 
er si lieze de, Daz er mit schoenen wiben vertribe anders wä, Die zit und 
sine stuncle dar näch in einem järe. 
2) Cleomades erfährt den Tod seines Vaters (14919): Mais com cil qui tout 
biens savoit Pensa que pas ifesponseroit Si tost apres cele nouvele; Gar ne seroit 
pns chose bele, Ains seroit chose mal seant. 
3) Friedberg, Verlobung und Trauung. Leipzig 1876.  R. Sohm, 'I'ra,uung 
und Verlobung. Weimar 1876. 
4) Dietrichs Flucht 7769: dö swuor man dem herren Dietrich Vroun Herrät. 
ein küniginne rich, Zeinem wibe alzehant Und bevalch ouch ir den wigant. 
5) Kudr. 1648: Dö hiez man Ortrünen zuo dem ringe gfm Und ouch Hilde- 
burge, die maget W01 getäm. Ortwin unde Harbmuot, die nämen si ze wibe.
        

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