Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-999950
Verlobung. 
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die Auiiösiuig des Verlöbnisses, sobald er erwachsen ist, verlangen. 
Dies eben erwähnte Angeld (arrha) wurde namentlich dann gezahlt, 
wenn die Vermählung noch einstweilen verschoben wurde. In den 
Establissenlents de St. Louis (lib. l, chap. CXXIV) wird betreffs der 
Verlobung minorenner Kinder verfügt: „Wenn Jemand einen Sohn 
hat, der noch nicht erwachsen ist, und der Vater spricht zu einem 
seiner Nachbarn: Ihr habt eine Tochter, die auch im Alter meines 
Sohnes ist; wenn Ihr wollt, dass sie meinen Sohn nimmt, sobald sie 
im heirathsfähigen Alter ist, so möchte ich meinerseits das sehr gern, 
und zwar in der Weise, dass als Pfand (erres) Ihr mir ein Stück von 
Eurem Grund und Boden übergeht, ichlEuch zehn Livres dagegen zahle, 
so dass das Pfand mir bleibt, wenn Eure Tochter, sobald sie im hei- 
rathsfahigen Alter ist, in die Heirath nicht einwilligen will" u. s. w. 
Die Trauung folgte entweder bald nach1), oder es wurde der Termin 
für sie bestimmt 2); oft sind Verlobung und Trauung zugleich vollzogen 
worden. Es wurde bei der Verlobung auch die Mitgift der Braut be- 
stimmt, dann erfolgte die Frage an den Mann wie an das Mädchen, 
ob sie einander zum Gemahl nehmen wollen, und darauf wurde die 
Verlobung durch einen Eid bekräftigt 3). Wo eine so feierliche Ver- 
1) Karl verlobt Gaydon mit Claresine, Gaydon 11'327: Li rois la prent, par 
1a main l'a saisie. ,Dites 1110i, belle, nel me celez voz mie, Volez voz Gayde qui 
tant a baronie"? Meillor de lui ne poez avoir mie." „Sire, dist elle, Jhesus voz 
beneie! Soie serai, s'il le weult et otrie." Et dist li dus: „ll ne me desplaist 
mie." „Par Den, dist Karies, il ne remanra inie, Puisque chascuns le creante et 
otiie." Au inoustier vont 0 bele eoinpaingnie, On les espeuse el nom sainte Marie. 
2) Le roi Flore et la belle Jehanne (Nouvelles Frangaises p. 96): Li chevaliers 
mande son kapelain et avmena sa bielle ülle Et le {ist fiancier a Robert et lnist 
jour (Pespouser. 
3) Nib. Z. p. 257, 1: Man beschiet der jnncfronwen bürge unde lant (die Mor- 
gengabe von Seiten des Mannes), Des sichert da mit eiden des richen küneges 
haut, Unt Gernöt der herre, daz würde claz getan. Dö sprach der inarcgrave: 
„sit ich der lande niht enhän, Sone 12a iu niht versmähen min ellendes solt: Ich 
gibe zno miner tohter silber unde golt, Swaz zwei hundert nioere meiste mügen 
getragen. (3) Nach gewonheite man hiez an einen rinc Sten die nlinneclichen; 
manc sneller jüngelinc In gezweietem muote ir ze gegene stuont: Si gedähben in 
ir sinne, sö noch die tulnben dicke tuont. Dö man begunde vrägen die minnee- 
liehen meit, Ob si den recken wolde, ein teil was ez ir leit, Unt dahte doch zu 
neinene den weetlichen man: Si schalnte sich der vräge, sö manec maget hat ge- 
tan. 1_r rünte ir Vater Rüedeger, daz si sprzeche ja Unt in vil gerne neeine: vil 
schiere was dö dä. Mit einen wizen handen der si dö umbeslöz, Giselher der junge. 
Es erfolgt kein Beilager; die Braut soll erst auf der Rückfahrt den Burgunden 
folgen.  Gr. Wolfdietr. 251: D0 swur man im ze wibe die frowe wolgetan; 
2092: D0 swur man sie zu wibe dem künen Herbrant.
        

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