Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-999916
Brznutwerbung. 
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sie muss ihn nennen. Und wenn der Lehnsherr sagt: ,1ch will nicht, 
dass dieser sie bekommt, denn der und der hat bei mir um sie ange- 
halten und ist reicher und ein besserer Edelmann, als der, von dem 
ihr sprecht, und er wird sie gern nehmenß und wenn die Anver- 
wandten sagen: ,Wir wissen noch einen reicheren und noch edleren 
Mann als diese Beidenß dann sollen sie den Besten von den Dreien 
und den für das Mädchen Passendsten in Betracht ziehen, und wer 
den Besten namhaft macht, dem soll man glauben. Und wenn die 
Dame sie ohne den Beirath des Herrn und der väterlichen Anver- 
wandten verheirathet, zumal wenn der Herr es ausdrücklich verboten 
hat, so verliert sie ihre fahrende Habe (müeblesyä   Sie behält nur 
ihr Alltagskleid, ihr Staatskleid und ihre Schmucksachen, wenn sie 
solche überhaupt besitzt, ihr Bett, ihren Wagen und zwei Gäule 
(roncins), die ausreichen für ihre Nothdurft, und ihr Reitpferd (pale- 
froy), wenn sie eines hat. 
Der Fürst sorgte aber auch für die an seinem Hofe lebenden 
jungen Mädchen und suchte ihnen angemessene Partien aus. Die 
Engländer nahmen es sehr übel, als Heinrich 111. die jungen Da- 
men, welche 1247 Petrus de Sabaudia, Graf von Richmond, von 
fernher ("de partibus suis longinquis") an den englischen Hof ge- 
bracht hatte, mit englischen Edelleuten verheirathete (Matth. Paris). 
Ein Zwang wurde natürlich nicht ausgeübt 1); aber der Wunsch 
des Königs war doch wohl Befehl?) Und als Gillebertus de Plum- 
tonia 1184 die Tochter des Roger de Guilevast Wider Willen des Kö- 
nigs entführte, ward er zum Galgen verurtheilt und mit Noth vom 
Tode errettet (Bened. Petrob. ed. W. Stubbs 1, 314). 
Eine fern wohnende Prinzessin suchte der Bewerber entweder 
persönlich auf, oder liess durch Gesandte um ihre Hand anhalten. 
Edward, der Sohn Heinrichs 111., geht 1254 nach Spanien und ver- 
mählt sich dort mit Alienora, der Schwester des Königs Alfons 3). 
Kaiser Friedrich 11. schickte 1'235 eine Gesandtschaft nach England, 
an deren Spitze Petrus de Vineis stand, um die Schwester Hein- 
richs 111. für ihn zur Gemahlin zu freien. Am 23. Februar (V11. 
Cal. Martii) erscheinen sie vor dem Könige und bitten um Antwort 
1) Kuclr. 1034: Ez was noch her der zite ein site alsö getän, Daz kein vrouwe 
solte nennen nimmer man, Ez enwaere ir beider Wille. 
2) S0 fragt Artus auch die Dukeflos, 0b sie den Mann nehmen wolle, den er 
ihr ausgesucht; sie will thun, was Melerzmz rathet, und sagt auf dessen Zureden 
zu (Meler. 12197-12241). 
3) Matth. Paris 1'254. 
Schultz, höf. Leben. 1. 31
        

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