Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-999900
480 
VII. 
Ehe. 
des Landesherrn. 
Einwilligung 
die schon an sich der Krone verdächtig erschienen, durch Heirathsver- 
bindungen sich noch näher alliirten. In der Carta Regis Henrici (I) 
vom Jahre 1101 sagt der König: "Wenn einer der Barone oder meiner 
anderen Lehnsleute seine Tochter oder sonst eine Verwandte verhei- 
rathen will, so soll er mit mir sprechen. Aber ich werde weder für die 
Erlaubniss etwas annehmen, noch ihm verbieten sie zu verheirathen, 
ausser wenn er sie meinem Feinde antrauen. will. Und wenn nach 
dem Tode eines Barones oder eines meiner Lehnsleute eine Erbtochtei? 
zurückgeblieben ist, so werde ich sie unter Beirath meiner Barone 
mit ihrem Landbesitz vermählen. Und wenn nach dem Tode ihres Ge- 
inahles eine Frau da ist und keine Kinder hat, so soll sie ihre Mitgift 
und ihr Heirathsgut haben und ich werde sie nur mit ihrer Einwilli- 
gung einem Manne geben" (Statutes of the Realm. I, p. 1, Lond. 1810). 
In der Magna Carta des Königs Johann vom Jahre 1215 (ib. G) 
wird den Wittwen gestattet, wenn sie wollen, unverheirathet zu 
bleiben, sie müssen aber versprechen, nicht ohne Einwilligung ihres 
Lehnsherrn einen Gemahl zu wählen. Nach der anderen Magna Carta 
vom selben Jahre können Erben nur mit Genehmigung der Verwand- 
ten heirathen (ib. 9). Diese Rechte werden durch die Magna Carta 
Heinrichs III. (ib. 14) von 1216 ausdrücklich bestätigt; der König be- 
giebt sich jeder Einmischung (heredes maritentur absque disparaga- 
cione). Vgl. Magna Carta Henr. III. von 1217 (ib. 17), von 1224-5 
(ib. 23), von 1251-2 (ib. 29), die Magna Carta Edwards I. von 1297 
(ib. 33) und 1300 (ib. 38). 
Auch nach französischem Rechte konnte der Lehnsherr nach dem Tode 
seines Vasallen bei Verheirathung der verwaisten Tochter seinenEinfluss 
geltend machen. Im ersten Buche, 63. Capitel der Establissements de 
Saint Louis heisst es: „Wenn eine Dame verwittwet ist und eine min- 
derjährige Tochter hat, und der Herr, dem sie lehnspllichtig ist, zu ihr 
kommt und von ihr verlangt: ,Frau, ich will, dass Ihr mir Sicherheit gebt, 
dass Ihr Eure Tochter nicht ohne meinen Beirath und ohne den Rath 
der Sippe ihres Vaters verheirathet, denn sie ist die Tochter meines 
Lehnsmannes, und deshalb wünsche ich nicht, dass sie übel berathen 
wirdS so ziemt es sich von Rechtswegen, dass die Frau Sicherheit 
giebt. Und wenn die Tochter ins heirathsfähige Alter kommt, und 
die Dame einen findet, der um sie wirbt, dann soll sie zu dem Herrn 
und zu der Sippe vom Vater des Mädchens gehen und zu ihnen 
folgendermassen sprechen: ,Herren, man verlangt meine Tochter zur 
Ehe, und ich will sie nicht ohne Euren Rath geben; also berath- 
schlagt Wohl, denn der und der hat bei mir um sie angehalten", und
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.