Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-999893
Moralität- 
der 
Ronmnhelden. 
Ehe. 
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Mantel an den Hof sendet, der nur einem treuen Weibe {lasst und 
allen andern je nach der Grösse ihrer Untreue zu kurz wird, kann allein 
lblis ihn anlegen; alle andern sind nicht unbescholten. Ein anderer 
Dichter erzählt, dass der Meerkönig Priure dem Artus einen Becher 
zuschickte (Cröne 1072-2347), den nur derjenige austrinkenckonnte, 
Welcher nie in der Liebe untreu gewesen; da begiessen sich nicht bloss 
die Ritter, sondern auch Frau Ginover, die schöne Blanscheüur und 
die andern hochberühmten Damen, und allein Artus kann die Probe 
bestehen. Vielleicht verdachte man den sagenhaften Helden, die man 
als in einem idealen Zeitalter lebend sich vorstellte, Manches nicht, was 
man, sobald es einen selbst berührte, aufs Schärfste verurtheilte. 
Etwas anderes war es, wenn ein Ritter sich vermählen wollte. 
Dann sah er streng auf den Stand der Geliebten, dass ihre Stellung 
auch der seinigen entsprach 1), und eine Mesalliance wurde schon da- 
mals streng verurtheilt 2). Früher hatte man, wenn das Mädchen nur 
von ebenbürtigem Stande und schön war, nicht nach ihrer Mitgift ge- 
fragt; aber im dreizehnten Jahrhundert wusste man denWerth des Geldes 
schon recht wohl zu schätzen, und manche Hässliche, die Vermögen 
mitbrachte, fand einen Mann, manches schöne aber arme Mädchen blieb 
unverheirathet 3) oder heirathete unter ihrem Stande. Ein reicher Bauer 
war einem verschuldeten Edelinanne schon damals kein unwillkommener 
Schwiegersohn 4). In der Regel wurden vornehme Mädchen nur mit 
Einwilligung des Landesherrn vermählt; wenigstens nahm dieser es übel, 
wenn man ihn nicht vorher fragte, da oft das politische Interesse des 
Landes es untliunlich erscheinen liessen, dass gewisse grosse Familien, 
1) Kudr. 819: Dö sprach der vürste Hetele ,daru1nbe ieh verzäch Im mine 
schoene tohter: W01 Weste ich, daz im lech Dem künege üz Ormanie Hagene sin 
lzmt. Dar umbe weere Küdrün hin ze im nfich ören niht geweint." Er wm- als 
Lehnsmann einer Königstochter nicht würdig. 
2) Rom. des Sept sages 239: Chevaliers {Russe 1110112 ses loys, Quant il prcnt 
iille de borgois. Com erent larghe li enfant, Quant il ert demi marchäant? 
3) Cleomades 7121: Gar adont tel coustuine zuvoient Li grant seignor, qu'il 
ne chagzoient Terre ne tresor ne avoir, Mais quc il laeüssent avoir Belle pucello 
et bien taillie, Estraite de bonne lignie; Mais, que pour bonne fusb tenue, Ain- 
qois fust prise toute nue, Que ne fust uneenpereris Laide et lourde en this et en 
dis. Mais or n'en veut on nule zwoir Bele et bonne im pou d'avoir. A gnmt 
honnour atournoit on Roi 011 conte, duc ou baron, Quant en tel point se marioit; 
Tous li mondes Yen gmeioit. Mais am jour d'ui passe richece Bontä, biaute et 
gentillece, Si que en maint lieu est patent. 
4) Le vilail, 11111-9, Le fiÜJQl d'A1ou1 und Lu. Cllzlstßhlint? de Suint Gille (Meon. 
Fabliailx III, 1; 326; 369).
        

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