Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-999823
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VII. 
Heimliche Zusammenkünfte 
Liebenden. 
Merkzeichen  und die Ritter revanchirten sich für die Geschenke, 
indem sie die Gefangenen ihren Damen übersendeten und denselben 
das Lösegeld für sich zu fordern überliessen 2). Als der Chastelain 
de Couci ins heilige Land zieht, giebt ihm die Dame de Fayel 
eine Locke ihres Haares zum Andenken mit, die er bis zu seinem 
Tode treu bewahrt 3). Welche Tollheiten ein verliebter Ritter zu 
Ehren seiner Dame zu vollbringen vermochte, lernen wir aus des 
Ulrich von Lichtenstein Frauendienste kennen. Nur glaube ich 
nicht, dass man von dieser Carricatur alles Ritterwesens, diesem 
Don Quixote des dreizehnten Jahrhunderts, auf Andre schliessen darf. 
Die Belohnung für die Heldenthaten des Geliebten wurde dann end- 
lieh auch gewährt; aber welche Mühe machte es nun beiden Theilen, 
ungesehen sich zu treffen und eines Rendezvous sich wirklich zu 
erfreuen! In der Geschichte des Castellans von Couci und der 
Dame von Fayel sehen wir, wie listig die Liebenden es anstellen 
mussten, um die argwöhnische Aufmerksamkeit des Herrn von Fayel 
zu täuschen, und wie viele Gefahren sie dabei liefen. Denn ein l1inter- 
gangener Ehemann konnte sehr unbequem werden, wenn er einen bei 
seiner Frau antraf; das Mindeste war es, dass er den Verführer tödtete i), 
aber ein noch schlimmeres Loos drohte oft den unvorsichtigen Lieb- 
haber zu treffen 5). Freunde des Gatten, eifersüchtige Damen spürten den 
1) Auberi p. T4, 18: Conoistrai vos a Pescu de quartier Et a 1a manche que 
vos ai fait baillier.  
2) Richars li biaus 1607: -Vij- contes a pris de sa main  Alemans et -j- 
Mamain, A la puchielle les envoye, Pour ce que la manche de soye Li envoya par 
druerie. 
3) Chast. de Couci 7344: D'unes forces qu'ot aprestees A errant ses tresces 
copees Et estroitement les ploia; En cendal vert les envelopa Et puis li donne, 
et eil les prent Qui dist que songneusement Les gardera pour soie alnour Tant 
qu'il sera mis au retour; 7472: En sa ramembranee portoit Treiches ouwees de 
Hns d'or Sus son hyaume, dont deslor F11 des Sarranzins si doubtes, Que d'eulz 
tous estoit apelles Li ehevaliers as grans proueces, Qui sus son ehne porte treces. 
Auf sein Sterbebett 7611: Un coffäre petitet (Targent En a trait et puis 1'a baizie, 
Ouvert 1'a, si a fors sachie Les tresehes qui sambloient d'or. Er schickt sie der 
Geliebten nach seinem Tode zurück.  
4) Eodem anno (1291) Andreas rex Hungariae interfectus est per quendam mi- 
litem suuni, qui eum apud uxorem suam invenit. (Annales Wormatienses braves.) 
 1175 überraschte der Graf von Flandernden Ritter Walter des Fontaines bei 
seiner Frau. Er liess ihn binden, mit Stöcken und Schwertern furchtbar zer- 
schlagen, dann an den Beinen über einer Düngergrube aufhängen und so zu Tode 
bringen. (Benedicti Petrob. Gesta I-Ienrici Secundi ed. Will. Stubbs I, 99). 
5) König Ibert von Sieilien findet den Zauberer Klinsehor bei seinem Weiße 
Iblis. Parz. 657, 8: Zehn kapün mit eime snite Wart Clinschor gemachet; 20: Er 
wart von küneges henden Zwischenn beinn gemachet sleht. Des dühte den Wirt,
        

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