Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-999789
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VII. 
Liebeswerbung. 
Fussstapfeil 1), er malt mit dem Finger das Wort "amo" auf den Tisch, 
auf den er Wein gegossen i), was auch nach damaligen Begriffen nicht 
gerade fein ist (s. die schon erwähnten Tischzuchten). Sein zweifelndes 
Gemüth beschwichtigt er mit einem Liebesoraicel. Walther von der 
Vogelweide singt (p. 66, 5): 
"Mich hät ein halm gemachet frö: 
er giht, ich sül genäde vinden. 
ich maz daz selbe kleine strö, 
als ich hie vor gesach von kinden. 
nü hoeret unde merket ob siz denne tuo: 
,si tuot, si entuot, si tuot, si entuot, si tuotf 
swie dicke ich'z tete, sö was ie daz ende guot. 
daz troestet mich: dä. hoeret ouch geloube zuo." 
Pfeiiier (W. v. d. V. p. 51) meint, der Dichter habe die Knoten an einem 
Halme gezählt und daraus sein Schicksal vorausgesehen, und diese E1'- 
klärung hat jedenfalls mehr für sich, als viele andre. Ich denke mir 
die Sache jedoch noch etwas anders. Von einem Halme ist nur die 
Rede, und der wird gemessen, nicht abgezählt. Es scheint mir also 
am einfachsten, anzunehmen, der Dichter habe einen Grashalm ge- 
pliückt und auf gut Glück denselben an einer Stelle geknickt, nun mit 
dem Maasse des geknickten Stückes den übrigen Halm umgebrochen 
und versucht, wie oft dies erst eingebrochene Stückchen im ganzen 
Halme enthalten war; hier also fünf mal. 
Kleine Geschenke machten den Bewerber in den Augen der Ge- 
liebten noch liebenswürdiger; Handschuhe, Spiegel, Ringe, Broschen, 
Kopfputz oder Blumen konnte sie unbedenklich von dem Geliebten 
annehmen, aber Kostbarkeiten sich schenken zu lassen, galt nicht 
für anständig  Früchte in ein Tuch oder ein Körbchen verpackt 
Mit sime mezzerline graben. Die sprächen sus ze t-iute: „Man sol daz wizzen 
hiute Und eweelichen iemer nie, Sö Päris und Egonoä Von ir minne seheident 
Und beide ein ander leident, Sö muoz diz wazzer wunneclich Ze berge fliezen 
hinder sich Und widersinnes riuschen. 
1) 'l'roj. 20802: Mit minneclichen ougen Begunde er üf si kapfen, Er kusto 
ir ihozstapfen Und neie ir stigen unde ir wegen. 
2) Troj. 20768: Er tet ir dä mit schrifte kunt, Daz in ir minne üf jfunei- 
treip. „Amö" daz Wort er dicke schreip Mit wine vil olären üf den tiseh, Dä b? 
wart si des innen, Daz er si kunde minnen Für allez guot und allen hort.  Er 
küsst die Tochter der Helena, wenn dieselbe von der Mutter geküsst worden ist 
(20782-93), und trinkt mit der Geliebten aus einem Glase, Helena. sagt (21670): 
„Swenn ich üz eime kopfe tranc, Sö flizzent ir iuch dä. ze stunt, Swä mir gestan- 
den was der munt, Daz ir dä trunkent ie näeh mir." 
3) Welh. Gast 1338: Ich lärt waz einer vrouwen zeme, Daz si von ir vriunde 
neme: Hantsehuoch, Spiegel, vingerlin, Vürspangel, schapel, blüemelin. Ein vrouwe 
sol sin wol behuot, D2LZ niht neine groezer guot, Ezn wwr, daz sis bedoifte W01.
        

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