Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-999773
verheiratheten 
Liebesintriguen mit 
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den sie das Edelfräulein zu stolz, zu zurückhaltend, so gewährte ihnen 
vielleicht eine Zofe oder Bauerndirne eher Gehör 1). Aber so recht 
modemässig war das alles nicht; wollte der Ritter auch in dieser Hin- 
sicht ganz den Begriffen von Cavztliersideen genug thun, so musste er 
eine verheirathete Frau ihrem Manne abspänstig machen; jedes Rendez- 
vous war dann mit Gefahren erkauft und musste mit Schlauheit und 
Muth erst erkämpft werden. Ueber die moralische Verworfenheit des 
Ehebruchs sind auch die damaligen Dichter vollständig klari), aber 
trotzdem War es Mode; erst durch solche Triumphe konnte ein Ritter 
sich auch auf diesem Felde als unwiderstehlich erweisen. 
Die Bekanntschaft wurde bei einem Turnier oder bei einem an- 
deren Fest gemacht 3); der Ritter hatte den Preis erworben und war als 
Held gefeiert worden, sein Name, sein Aeusseres war der Dame seiner 
Wahl wohl bekannt geworden. Nun beginnt die Zeit der Werbung; 
oft genug mag auch wahre Liebe, nicht bloss einfältige Renommisterei 
der Grund jenes Verlangens gewesen sein. Der Verliebte schneidet 
den Namen seiner Dame in die Rinde der Bäume ein 4), er küsst ihre 
1) Die Geliebte des Gottfried von Nifen (XXX): „diu daz wazzer in kruegen 
Von dem brunnen treit", bekommt seinetwegen von ihrer Herrin Schläge; er er- 
setzt ihr mit einem Schilling und einem Hemde das Geschenk, das sie von ihrer 
erzürnten Herrin nicht mehr erwarten darf (HMS. I, 55).  Her Steinmar hat 
eine Geliebte, die von ihm die Leinwand, das Paar Shhuhe, den Schrein ver- 
langt: "So wil ich inch zuo mir uf den strou sac lan, So mag er wol wiegelonde 
gan" (XI, 3; HMS. II, 158); Eine dirne, diu nach krute Gat, die han ich z'einem 
trute Mir erkorn (HerSteinmar VII, 1; HMS. II, 156). Und die Freundin des 
Herrn Vriderich des knehts geht gar selbst im Winter barfuss (II, 1; HlVIS. II, 
169).  Mai u. Beail. p. 80, 33: Ich han etlichen lantman: Waere ez im alsus er- 
gan, Daz im ein vrouwe weere kornen, Er haete ir guot vür si genomen, Swie 
minneclich si waere gewesen: Er waere wol minnehall) genesen, Waere im daz guot 
beliben. Er heete wol sine zit vertriben Mit den gebürinnen. Er gert niht höhe 
minne.  Ein Muster eines solchen Ritters, der den Bauerndirnen nachstellt, ist 
Her Nithart von Riuwental. 
2) Spervogel IV, 8 (HMS. II, 376): Swel man ein guot wiphat Unt feiner 
ander(n) gat, Der bezeichent daz swin. Wie möht" ez iemer erger sin? Ez lat 
den lutern brunnen Unt leit sich in den trueben pfuol: Den site hat vil manik 
man gewunnen.  Elie de Sainte Gille belehrt seinen Sohn Aiol, ehe derselbe 
auf Abenteuer auszieht, Aiol 169: N'aies eure d'autrui feme enamer, Car chon 
est uns pechies que dex mout het. Et se ele vous aime, laisiele ester.  Beson- 
ders ein Fürst sollte die Frauen und Töchter seiner Unterthanen nnbehelligt las. 
sen, Künik Tirol 32 (HMS. I, 7): Sun, diner werden manne wip Und ir schoenen 
töchter Iip, Nu huete, daz dir iht under brust In din herze kom der gelust, Da 
mit du dinen werden man An ere mügest geswachen. 
3) Ehemänner liessen deshalb lieber ihre hübschen Frauen zu Hause. Parz. 
215, 2G_217, Ü. 
4) 'l'roj, 784: 'l'ief1u1 des bounles rinden Begunde er sehoene buoßhstaben 
30'
        

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