Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-999746
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VII. 
Sittenlosigkeit. 
Allgemeine 
die Geduld der Dame auf die Probe stellen. Gawan bittet, kaum im 
Hause des Königs Vergulaht angelangt, dessen Schwester Antikonie, 
die ihn allein empfängt, um einen Kuss (Parz. 405, 1G), der ihm ge- 
währt wird, und geht dann sogleich zu weiteren Zärtlichkeiten über  
Aehnlich gewinnt Jason in kürzester Zeit die Liebe der Medea 2). Vor- 
nehme Herren brauchten erst recht nicht lange zu bitten. Als der 
Landgraf Ludwig von Thüringen einem Tanze zusieht und ein beson- 
ders schönes Mädchen seine Aufmerksamkeit erregt, erbietet sich so- 
fort Einer, sie ihm zu verschaffen (H. Elisab. 316151). Und wie er 
ein anderes Mal zu einem Verwandten zu Besuch kommt: „Iz wart 
ein junger wibesname Geworfen in sin bette dar" (H. Elisab. 3360). 
Fand ein Ritter eine so freundliche Aufnahme, so war es nur billig, 
dass auch seine Begleiter und Freunde nicht leer ausgingen. Die Ge- 
liebte des Ritters bestimmte dann eine ihrer Damen, dem Freunde Ge- 
sellschaft zu leisten3). Nur musste es der Ritter, der so freundlich ver- 
sorgt wurde, nicht zu ungeschickt anstellen; bei Jeder war es doch 
nicht angebracht, direct auf das letzte Ziel loszusteuern. So erwidert 
in Eilharfs von Oberge Tristan (6679) Gymele von der Schitriele dem 
allzu stürmischen Kehenis "Wa, tut ir hen uwirn sin? Ja sät ir W01, daz 
ich niht bin Eine geburinne, Daz ir mich bittet umme minne 
1) Parz. 407, 2: Er greif ir undern mantel dar: Ich waene, er ruort irz hüffe- 
lin. Des Wart gemäret sin pin. Von der liebe alsölhe nöt gewan Beidiu magt und 
ouch der man, Daz da nach was ein dinc geschehen, Hetcnz übel ougen nilit 
ersehen.  Bei Chrestien de Troies (Perc. 7205) heisst es einfach: ,Mesire Gau- 
wains le requiert Damors und (7 208) „Et ele nel refuse mie Ains li otroie volon- 
tiers." Im Lanceloet I, 38328 küsst Gäwän nur das Mädchen. Wolfram hat also 
aus eigener Phantasie die Situation weiter ausgeführt. 
2) Herb. Troj. 706: Er greif ir an ir gewant (beim ersten Zusammentreffen); 
713: Er greif ir under claz kleit, Daz was der junofrouwen leit. Indessen be- 
ruhigt sie sich schnell, als er schwört sie zu heirathen, 956: Si stabete selbe im 
den eit.  Auch in Konrads von Würzburg Trojanerkrieg lässt sich Medea von 
Jason bei Jupiter schwören, dass er sie nicht verkebsen wolle (9094-9126); 9146: 
Diu werde künjginne Schiet von ir magetuome. Ir kiuseheite bluome Wart nach 
ir willen ab genomen. 
3) Gauvain hat Ydain aus den Händen eines Bösewichte gerettet und vrircl 
im Sehlosse dann liebevoll belohnt; Gauvains Bruder Gahariet, der mit im Sehlosse 
aufgenommen ist, erhält von Ydain eine ihrer Damen, Gauvain 3680: Ydain l'a 
par 1a main baillie Gahaiiet, qui la recut O lui manga et 0 lui jut.  Als Tri- 
stan wieder mit Isöt ein Rendezvous hat, will sein Gefährte Kaedin nicht leer 
ausgehen und bittet Kameline, die Hofdame der Königin, um ihre Liebe (HvF. 
Trist. 4821 H1). Kameline will nicht, fügt sich aber dem Befehl der Herrin und 
empfängt ein Zauberkissen, das sie dem Kaedin unter den Kopf legt. Er schläft 
in Folge dessen sofort fest ein und liegt „als ein erstochen bok" (4914).
        

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