Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-999735
Allgemeine Sittenlosigkeit. 
463 
freuen, das voller Unschuld ihre Gunst gegen ein unbedeutendes Ge- 
schenk eintauschte1), bald fand. er bei seinen Zügen in den Schlössern 
eine liebevolle Aufnahme 2). Nur durfte er nicht blöde sein und lange 
1) Vgl. die Schwanke „daz hzeselin" und „der sperwsere" (Gesammtabent. II, 
5. 23). 
2) Zu Galagandreiz kommt. Lanzelet, von zwei Rittern begleitet; sie werden 
gut aufgenommen und gehen zur Ruhe. Da erscheint die Tochter des Wirthcs 
im Schlafsaal, von zwei kerzentratgendcn Jungfrauen geleitet, und bittet die Ritter 
um Minne, bietet ihnen sogar einen goldenen Ring als Lohn an. Nur Lanzelet 
wagt das Abenteuer, tödtet am nächsten Tage ihren Vater im Zweikampf und 
wird so Herr des Landes. Lanz. 849-1248.  Als Lanzelet den Iweret erschla- 
gen, reitet er mit dessen Tochter Iblis davon. Kaum haben sie eine wälsche 
Meile zurückgelegt, so rasten sie unter einer Linde: „Si wurden gesellen als in 
diu minne geriet". Lanz. 4661-74.  Die tugendhafte Meliür schleicht des Nachts 
zu dem ihr bisher völlig unbekannten Partonopier (Part. 1227  einem dreizehn- 
jäihrigen Knaben (1714): „Si wurden dö gescheiden Von ir magetuome. Ir mage- 
tuomes bluome An sine stat enspringen lie Der minne bluot, diu sit zergie An 
herzenliebe bernde fruht. Sin alsö zühticlich unzuht An der süezen da gewan, 
Daz si wart wip und er wart man: Doch schämt sie sich, als es offenbar wird 
(S198): „Ez wirt ein vingerzeigen Uf uns beide mit der hant."  Reinfried von 
Braunschweig hat mit der dänischen Prinzessin Yrkane ein Rendezvous in einer 
Hütte, Reinfr. 2934-3920. Ein Ritter hat sie beobachtet, Reinfr. 39-10: Nu was 
ihr wengel und ir munt Zerküsset und zertriutet; 3952: Er sach ir hares strengel 
Ein teil ouch da verirret; 3967: Er dahte wider sich „Zwar, diz ist der minne 
strich, Daz spürt man an ir varwe. Wie sint si beide gairwe S0 durliuhtic iiurin 
röt."  Nur aus Liebe zur Deidamia lässt sich Achill zu Lycomedes bringen 
(Tmj. 14848): „Dar umbe, daz er hsete Sines willen deste mer Und er diu kiuschen 
maget her Beslafen möhte deste baz". Der Wunsch geht in Erfüllung, Troj. 
16494-17005; 17006: Diu schoene wart gescheiden Von ir magetuome: lr kiuscheite 
bluome Wart mit vrouden ab genomen." Sie hat sich gesträubt, hat geschrieen 
,e si den magetuom verlür" (17014).  In Konrads von Würzburg Engelhart geht 
Engeltrüt an das Bett des Engelhart und verspricht ihm ihre Liebe, sobald er 
Ritter geworden ist und sich in einem Turnier ausgezeichnet hat (227 3 ff.) Nach- 
dem er diese Bedingungen erfüllt, giebt sie ihm ein Rendezvous nach dem Essen 
im Baumgarten (2915 i'll); sie empfängt ihn, nur mit Hemd und Mantel bekleidet, 
zieht ihn unter ihren Mantel (3108) und führt ihn (3111) „üf einen senften nratraz". 
Sie werden belauscht und angegeben; Engelhart läugnet alles und will für die 
WVzihrheit seiner Behauptung fechten. Er holt sich seinen Freund Dietrich von 
Burgund, der ihm zum Verwechse ähnlich sieht, und bleibt einstweilen an (les- 
sen Stelle. Dietrich kann mit ä Gewissen seine Unschuld beschwören und 
besteht deshalb siegreich den eikampf mit dem Angeber; er heirathet die 
Engeltrüt, berührt sie jedoch nicht, sondern legt ein blankes Schwert im Braut- 
bett zwischen sie und sich. Engelhart hat es in Burgund mit Dietrichs Frau, 
die auch ihn für ihren Gemahl hielt, gerade so gemacht (5011).  Eine der vie- 
len Geliebten des Gauwains geht bloss darum nicht (Percev. 32260) „D'entrc ses 
bras nue coucier Ne d'ac0ler ne de baisier Ne de soufrir l'autre delit, Se pour 
9911 mm (fmulos 11 lii; A  coste cstoient iaitß, weil noch ein anderer Ritter in 
der Stube 33111513 und (hassen Bett dicht neben dem des Gauwains steht.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.