Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-999693
Gewaltthaten. 
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etwa unter vier Augen vorgegangen war 1). Anders gestaltete sich 
die Sache, wenn die Damen sich laeklagten. Der Ritter hatte als- 
dann 11ic]1t allein seine Ehre, sondern auch sein Leben verwirkt, oder 
er musste durch schinipfliche Busse Verzeihung sich erkaufen. Ein 
Ritter vom Hofe (les Artus, Lohenis de Rahaz, hatte sich schwer 
in dieser Hinsicht vergangen; Artus schenkte ihm zwar das Leben, 
verurtheilte ihn jedoch, vierzehn Wochen mit den Hunden zu essen, 
darauf zwanzig überwundene Ritter der geschädigten Dame zur Ver- 
fügung über Leben und Tod zu stellen, sieben Jahre lang das Land 
zu meiden, und dann die Dame, falls sie dazu bereit ist, zu heirathen 1). 
lin Kriege gefangene Weiber n1it Gewalt sich gefügig zu machen, 
galt für erlaubt 3), und so mag denn auch die Sitte entstanden sein, 
die es einem Ritter erlaubte, über die Dame unbeschadet seiner Ehre 
frei zu verfügen, deren Reisebegleiter er im ehrlichen Kampfe über- 
wunden hatte 4). lm übrigen galt eine solche Handlung immer für 
unehrenhaft; ja selbst fahrende Dirnen waren durch das Gesetz aus- 
drücklich geschützt, und auch die Geliebte (amie) darf nicht mit Ge- 
walt gezwungen werden, ihrem Freunde zu Willen zu sein 5). Trotzdem 
1) Ada wird von (iaxirein auf einer Reise begleitet; lLanz. 2347: Ob er ie bi 
ir gelege, Des enweiz ich niht, wan iehz niht saeh. Swaz ir sölhes geschah, Daz 
 Ez wazre ein übel ineere, Solt ieglich dinc üz kolnen. 
2) Cröne 19378; 19404: Die meide wären des gewon Und was daz da noch ir 
site, Daz ein inagt einem ritter nrite W01 ein ganzes jar reit, Daz sie dehein 
Wirdikeit Da inite an ir eren vlös; Ob sie ir selber niht enkös Und in ir minne 
wert Obe er ir sö begeit, Daz ir diu vriuntschaft behagt, S6 Wart von ime diu 
selbe magt Über ir willen betwungen niht etc.; 19445: Vür der nötrnunft nöt, Die 
buoze künec Artüs geböt; 19455: D6 vienc in Gawein  Und warf in in die kelle, 
Daz er der hunde geselle Durch die unzuht waere. Mit kumber und mit swaare 
Was er vierzehen Wochen Dar inne beloehen.  Vier Wochen: Pzirz. 524, 17; 528, 
29.  Laneelot I, 39369: Datter n1i daets eten metten honden Myn hande op 
nrinen rncge gebonden. 
3) Bei der Eroberung von Troja; Troj. 12952: Die frouwen sie nötzogeten Und 
die inegde wol getan. 
4) Rom. de la Charette 1302: Les costulnes et les franehises Estoient tex in, 
tel termine, Que daineisele ne meschine, Se chevaliers 1a trovast sole, Ne plus 
qu'il se tranchast la gole Ne feist se tote enor non, S'estre volsist de bon renon; 
Et s'il Tesforeast a toz jorz An fust honniz an totes corz. Mes se ele conduit eust 
Uns autres, se tant li pleust, Qu'a eelui bataille en feist Et par armes la con- 
queist, Sa volonte an poist faire Sanz honte et sanz blasme retraire. 
5) Sachsenspiegel U1", art. XLVI, 1: An varndeme wive unde an siner amyen 
mach die man not dun unde dat sin verwerken , of he sie ane iren dank beleget.  
Schwabensp. 256, 8: Ein iegelich nran mac an siner amien die nötnunft begeen; 
(laz sol man über in richten als er nie bi ir gelegen ßwaere.
        

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