Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-999667
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VII. 
Dirnen. 
Oeffentliche 
Veldeke 1) und später Ulrich von Lichtenstein erwähnen die Sodomie 2); 
1232 fordert Gregor IX. die Predigermönche auf, in Oesterreioh dies 
Laster auszurotten, die Sünder gleich den Ketzern zu behandeln 3); 
aber trotzdem muss noch Berthold von Regensburg gegen „die rothe, 
die stumme Sünde" predigen4). Wurde Einer dieses Lasters über- 
wiesen, so erwartete ihn die Strafe des Ketzers, der Fenertod 5). 
In 
Schweden 
WELI 
gar 
die 
Verirrung 
der 
Bestialität 
anzutreffen 
Dass es der öffentlichen Dirnen T) dzunals viele gab, wissen wir 
von den Geschichtsschreibern. Jacques de Vitry (Hist. occident. ed. 
Franc. Moschus.  Duaci 1597, p. 278) schildert uns das Treiben, (las 
seiner Zeit (er starb 1240) in Paris herrschte: "Eine einfhche Un- 
zucht hielten sie für keine Sünde; öffentliche Dirnen schleppten 
überall auf den Gassen und Strassen die vorübergehenden Geistlichen 
1) Die Mutter der Lavine Wirft dem Aeneas dies Laster vor (E11. p. 282, 38): 
Her geminnete nie wib. Ezn ist ze sagenne niht güt, Wzw. her mit den mannen 
tüt, Daz her der wibe niene gert. 
2) Vrouwen buoch p. 614, 20: Stät daz W01, daz nu die 1mm Mit ein zunder 
daz begänt, Des vogel noch hier niht willen hfmt, Und alle crezntiure Dunket un- 
gehiure? Ir wizzet W01, waz ich meine. Ez ist sö gar unreine, Daz ich sin niht 
gcnennen tar. Ir leben ist verüuochet gar. 
 Ripoll, BUHZLT. Pmedic. I, p. 39. 
4) Pred. I, 93: Sie heizet in übernamen diu röte Sünde. Pfech, pfech! Sie hei- 
zet diu stumme Sünde. Pfech, pfech!  
5) Ann. Basil. 1277: Rex Ruodolphus (lominuni Haspinperch ob Viüilllll sodo- 
niiticum combussit. 
6) Alexander III. schreibt an den Erzbischof von Üpszxla. (Labbc, Concil. XIII, 
134): Alü incestuosa conjunctione plerique Cum jumentis abominandzu se pollutione 
commaculent. 
7) Ottokar DCCLXXH: Des nacktes so er (König Wenzel von Böhmen) Nach 
furstlicher 1er Sich slafen solte legen Und gemaches han gephlegen, S0 lieff er an 
1'111 rat Umb in der staut Als ein garczawn Und suecht dy junckfmwn, Die leider sind 
gemein; 11' deheine[r] im Wert.  Parise p. 76: Qu "il trova. vostre fzune 2m Paris 
1a cite Que e11e ne se garde dbme de mere ne, Car ele est bordeilleire e1 bois et 
e1 fose, -Ij- fretes ne refuse -j- denier monee.  Rutebeuf, vie de sainte Marie 
PEgiptjenne (Oeuvres publ. p. Jubinal II, 107): Por sn. vie en fol us despandre 
111a d'Egypte en Alixandre. De -iij- manieres de pechiez I fu 1i siens cors ente- 
chiez: Li uns fu de 1i enyvrer. Li autres de son cors 1ivrer Du tout en tout im 1a, 
luxure N'i awoit borne ne mesure; En gens, en boules et en veilles Entendoit si 
quää, granz merveilles Devoit 5x t-oute gent venir Comment ce pooit soustenir. 
-Xvij- ans mena. tel vie, Mes de Pautrui nkwoit envie: Rohes, deniers ne autre 
iwoir Ne voloit de Pautrui avoir. Por gzming tenoit bordelage Et por proesce tel 
outrage.
        

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