Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-999614
Zu 
keiner 
Zeit 
hat 
1112111 
Wohl 
viel 
über 
das 
Wesen 
der 
Liebe 
gegrübelt und gedilftelt, als in der Periode, in welcher das höiische 
Wesen ganz besonders lalühte 1). Die Vrouwe Venus ist allgewaltig; 
Jedermann ist ihr unterthiinig, der Kaiser und der Papst, der Laie 
wie der Kleriker, Männer und Frauen 2); ja die grösste Weisheit und 
Gelehrsamkeit schützt nicht vor der Venus und vor Amors Pfeilen 
(stralen), der grundgelehrte Aristoteles lässt sich von der lockeren 
Phyllis berücken 3); der weise Salon1o4), der grosse Zauberer Virgilä), 
alle sind sie der Liebe gegenüber wehrlos. Dies ergiebige Thema 
wird nun von den Minnesingern in allen Tonarten variirt. Wir wür- 
den nns jedoch sehr irren, wollten wir annehmen, dass diese von den 
Dichtern besungenen zärtlichen Neigungen lediglich platonischer Na- 
tur gewesen sind. Wenn je eine Zeit allein den realen Genuss im 
Auge gehabt hat, so ist es die damalige"); mit blossem Anbeten und 
Schmachten ist weder den Männern noch den Frauen gedient. 
Die damalige Generation war körperlich gesund und kräftig. Von 
früher Jugend an hatten die Männer ansschliesslich ihre Körperkräfte 
ausgebildet; viel im Freien lebend waren sie erstarkt; die fast aus- 
1) Eneit p. 261, 27 HÄ; Trist. p. 295, 6 ff.  Gottfried von Strassburg sagt 
zwar selbst (Trist. p. 306, 29): ,Ein langiu rede von minnen Diu swzeret hövesclmen 
sinnen". aber trotzdem ist er selbst sehr redselig; Heinzelein von Constanz, der 
Minne Lehre (hgg. v. Pfeiifer); Chastienment des Dames 894 ff. u. s. w. 
2) Heinz. v. Const. Minne Lehre 140: D6 gedäht ich vil gereite, Waz diu 
minne möhte sin. Diu keiser, küneg und künegin, Müneche, nu nnen, herzogen, 
Bischove, baepste mit ir bogen Schiuzet und mit ir sträle, Jung und alt 1.0 
nulle, Pfaffen und schuolaere. 
3) S. z. B. Gesmmntabenteuer T, p. LXXV ü". und p. 21 ff.  
4) z. B. Parz. 289, 16. 
5) Gesmruntab. II, 509 ff.  
6) Gesanuntab. III, 17 1T. 
 29 "
        

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