Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-999588
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Turniere. 
Feste 
Padua 
und Treviso. 
sant sein, aber das grösste Fest für die ritterliche Gesellschaft war es 
immer, wenn ein Turnier veranstaltet wurde. Da zogen aus weiter 
Ferne die Ritter mit Frauen und Töchtern nach dem Schauplatze des 
Festes, da sah man und wurde gesehen, alte Freundschaften Wurden 
unter den Festgenossen erneuert, neue geschlossen. Die jungen 
Ritter beeiferten sich, den Preis zu erkämpfen, und konnten sicher 
sein, wenn sie als Sieger aus dem Kampfe hervorgingen, bei ihren 
Geliebten die langersehnte Belohnung zu erreichen. Dann wurde ge- 
tanzt, und einige Tage vergingen so in fröhlicher Geselligkeit 1); die 
Erinnerung an solch ein Fest blieb ein Schatz, der über manche lang- 
weilige Stunde der Einsamkeit auf dem abgeschiedenen Schlosse hin- 
weghalf. lch werde später diese Feste ausführlich zu schildern haben. 
ln ltalien veranstaltete man übrigens auch harmlosere Lustbarkeiten, 
bei denen Niemand sein Leben aufs Spiel zu setzen brauchte. Rolandinus 
Patavinus erzählt (Chron. l, 10): „lm besagten Jahre 1208, als der 
Herr Visconti Podestä in Padua war, wurde ein grosses Fest im Prato 
della Valle gefeiert, und alle Reviere (contrate) von Padua schmückten 
sich, jedes in der gleichen Weise und mit demselben Abzeichen, mit 
neuen Kleidern. Und dann kamen an besagtem Orte die Damen mit den 
Rittern, der Adel mit dem niederen Volke, die Greise mit den jünge- 
ren Leuten in grosser Fröhlichkeit zusammen und waren zu Pfingsten 
(den  Mai), und einige Tage vorher und nachher, singend und mu- 
sicirend so heiter und guter Dinge, als 0b sie alle Brüder, alle Ge- 
nossen, alle Verwandte wären, einmüthig und durch das Band innig- 
ster Liebe verbunden." 
Ein anderes noch interessanteres Fest, das 1214 in Treviso statt- 
fand, schildert uns derselbe Autor (Chron. l, 13): „Zur Zeit dieses 
Podesta (des Albizi Florensis) wurde ein Hoftag der Fröhlichkeit und 
Lustbarkeit in der Stadt Treviso veranstaltet, zu dem so viel als mög- 
lich Paduaner, sowohl Ritter als Fusssoldaten eingeladen Wurden. Es 
gingen dahin auch eingeladen, um diesen Hoftag zu schmücken, un- 
gefähr zwölf Damen, von den edelsten und schönsten und am meisten 
zu Spielen geeigneten, die damals in Padua zu finden waren. Der 
Hoftag oder das Spiel war aber folgendermassen: es wurde zum 
1) Ann. Veron. 1242: Et eo anno Henricus de Egna tunc existens POtGStQS 
Veronae fecit magnam curiam militum et do1nnzutun1 cuiuscunaque conditionis in 
pzmlatio communis Veronae, et in foro seu nlorcnto Veronae milites bßgülllnvürunf, 
et tunc donmae "ballavnrnnf. in ponticellis factis uxtm pnluililllll ßßllllllllnis Ve- 
ronae.
        

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