Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-999557
Kunstreiter. 
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Auch Kunstreiter (Fig. 106, nach Strutt, Sports and Passetimes) gab 
es schon damals, und wenn uns Albericus Trium Fontium recht berich- 
tet, leisteten sie ganz Erstaunliches, mehr als heute in den berühmte- 
sten Hippodromen zu sehen ist. Als am 14. Juni 1237 "der Bruder 
des h. Ludwig, Robert, sich mit Mathilde, der Tochter des Herzogs 
von Brabant, zu Compiegne vermählte, producirte sich unter anderen 
ein Künstler, der zu Rosse auf einem Seile ritt; andere, und das will 
ja wenig bedeuten, ritten auf Ochsen, die mit Scharlach behängt 
waren, und bliesen bei jedem neuen Gericht, das dem Könige vorge- 
setzt wurde, eine Hornfanfare1), Aber ein Seiltäinzer zu Pferde, das 
geht weit über Blondin. 
Alle diese Künstler waren sehr beliebt; selbst Kirchenfürsten wie 
der Erzbischof Wichmann von Magdeburg 2) erfreuten sich gern an 
ihren Schauspielen. Neben den Spielmännern giebt es nun aber auch 
Spielweiber 3), Auch diese machten Kunststücke, mussten springen 
und tanzen. In dem Gedichte vom heiligen Oswald droht Parmige 
ihrem Vater Aaron, sie werde, wenn er ihr nicht Oswalds Raben 
gebe, mit einem Spiehnanne davon gehen; der Vater entgegnet ihr 
ruhig, sie passe nicht zum Spielweibe, er habe noch nie Sprünge von 
ihr gesehen 4). 
Waren solche Leute am Hofe angelangt, so liess man sie, wäh- 
rend die Herrschaften bei Tafel sassen, in den Saal kommen und dort 
1) Alber. Trium Fontium 1237: Et illi qui dicuntur ministelli in spectaculo 
vunitatis multa ibi fecerunt, sicut ille, qui in equo super cordzun in aere equita- 
vit, et sicut illi, qui duos boves de scarlato vestitos equimbant, eornicantes ad 
singula fercula, que apponebzmntur regi in mensa. 
2) Chron. Montis Sereni 1192: Apud ipsum denique populus histrionum magni 
fzworis gratiam obtinebat, et praesentizm eorum valde erat ei delectabilis et in- 
cunda.  
3) Parz. 362, 20: Obie nü dzmz niht verbirt: Ein spilwip si sante; cf. 363, l.  
Martina 128, 20: Sänger unde Sängerin, Die mir die Wile kurzin.  Percev. 15020: 
Hrrrper i faisoit harpeor Et vieleurs et jougleors Et les baleresses baler et les 
tnnieresses tumer.  Rom. de Brut 10823: Mult ot ä. 121 cort (bei Artus' Krönung) 
jugleors, Chanteors, estrurnanteors; Mult looissies o'1'r chaneons, Rotruanges et no- 
vinx sons, Vieleures, lais et notes, Lais de vieles, lais de notes, Lais de harpe et 
de üegiax, Lyre, tympres et chalemiax, Symphonies, psaltörions, Monacordes, cyni- 
bes, chorons. Mez i ot tresgiteors, Joeresses et joeors. 
4) S. Osw. 985: „Zwär ich muoz mich von hinnen heben, Vater, des wil ich 
dil- min griuwe geben, Mit einem spilman üz dem lande, Vater, des häst du denne 
immer sehandeß Er sprach: „du 11e vüegest niht. zeinem spilwila. E2 ist sö edel 
din höehgeborner lip. Zwinr ich 1111107, dir der wfurheif vnrjehen, Ich ne 115111 der 
Sprünge keinen von dir nie gesehen."
        

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