Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-999378
Tanz. 
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da wurde nicht so wild und übermüthig gesprungen 1), aber auch bei 
ihm konnte einer seinem Schutze die Hand drücken und fand manche 
Lustbarkeit 2). Gewöhnlich wurde ein Tanzlied gesungen, deren so 
viele damals von den Minnesingern,  selbst von Damen, wie der 
Königin Gin0ver3), gedichtet und componirt wurden; Alle sangen mit 
oder stimmten Wenigstens in den Refrain ein 4); dazu spielten die 
Fiedler auf 5), oder ein ganzes Orchester, aus Trommeln, Posaunen, Fie- 
deln, Harfen und Rotten bestehend, begleitete die Melodie ü). Als zur 
Zeit des Landgrafen Hermann die Dichter am thüringischen Hofe so 
freundliche Aufnahme fanden, wurde dort so mancher neue Tanz 
componirt, der erst allmälig auch im übrigen Lande bekannt wurde 7). 
S0 beliebt der Tanz bei den Vornehmen wie Geringen war, die 
Geistlichkeit hatte viel gegen ihn einzuwenden, für sie war er eine 
Erfindung des Teufels, der die „dancie et springaciones, quas faciunt 
choreizantes" zuerst unter der Gestalt des Apis bei den Aegyptern 
eingeführt habe S). Jacques de Vitry eifert sogar: „Wie die Kuh, die 
den anderen voranschreitet und am Halse die Schelle trägt, so hat das 
1) Nith. CXXI, 9 (HMS. 282): Wa vund" man ir gliche, Die von tag' ze tag 
ie baz Zipfent mit den vuezen? Si solten hoppeldeies pflegen: wer gab in die 
würdikeit, Daz si in der spille stuben hove tanzen künnen. 
2) Titur. 1691: Mit hochgemutigem tantze wolten sie sich maneger fremde 
nieten. Die reich gemuten namen des W01 goume Hendel drucken meiden und 
irowen kleider treten bi dem soume. 
3) Lancel. I, 16210: Ende nam tien stonden Die irste jonefrouwe, die hi vant, 
Ende danste an hare thant, Ende begonste dansen ende singen toe, Gelijc dat, 
dandre rlaeden doe, Ende sanc unde speelde maer tier stede, Dan hi noit te vo- 
ren dede. Ende si songen enen sanc, Die gemaect was onlanc Vander coningin- 
nen Genevre; 18133: Die dancsten ende songen toe Vander coninginne Jenevern 
neuwen sanc, Die neuwe gemaect was onlanc. 
4) Parz. 512, 28: Da saher manger frouwen schin Und mangen riter jungen, 
Die tanzten unde sungen. 
5) Meler. 11282: (nach einem Morgenmahle im Freien) Näch videlseren wart 
gesamt, Die mahten tanz den frouwen; 11236: Manie magt minneclich Sach man 
da frcelich tanzen Under liebten bluomen kranzen Und mengen ritter höchgemuot. 
Diu edel küniginne gnot Den ritter bi der hende vienc: Mit im si ze tanze gienc. 
(5) Titur. 1807: Da huop sich michel reie von maniger hande gaudine, Von 
tantze grozz geschreie, Weder mit tambur noch mit busine Welten sich die 
frowen lan betoren: Videln, herpfen, rotten und ander suzze doene sie wolten 
horen.  
7) Pa,1-z_ 639, 4: Dö vragte min her Gäuwan Umb guote videlwre, Op der da 
keiner weere. Da was Werder lmappen vil, W01 gelert üf seitspil. Irnkeines kunst 
was doch sö ganz, Sine müesten strichen alten tanz: Niwer tanze was da wem; 
verneinen, Der uns von Dürengzzn vil ist komen. 
8) liltienne de Bourbon N. 461.
        

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