Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-999366
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Tanz. 
WO es nicht so steif und ehrbar zuging, und bei denen sie sich 
ungebundener Heiterkeit hingeben konnten. Freilich für ein ehrbares 
Mädchen ist es nicht rathsam, sich in den Wilden Tanzjubel zu stürzen; 
eine sorgsame Mutter hält ihre Tochter davon zurück und treibt ihr 
im Nothfalle mit dem Rechen oder dem Spinnrocken die Tanzlust 
aus 1), denn manches Mädchen hat beim Tanze schon seine Ehre ver- 
loren 2). Aber die Töchter hören nicht darauf, und sind sie einmal 
unter der Linde, dann gilt es zu tanzen 3), denn wenn sie nicht mit- 
springt, setzt man voraus, sie thue dies aus bestimmten Gründen 4). 
Und regnet es, so ziehen sie in eine Scheuer oder in eine rasch aus- 
geräumte Stube und tanzen da weiter, und wenn es wieder hell und 
in der Stube die Hitze zu gross wird, dann eilen sie Wieder hinaus  
Der Spielmann fiedelte; die lustige Schaar sang das Tanzlied mit, 
und das dauerte bis endlich die Saiten der Fiedel oder gar der Fiedel- 
bogen zersprangen G). Ein grösseres Orchester haben die Bauern wohl 
selten gehabt, vielleicht noch eine Pauke, den Tact mehr zu marki- 
ren T). Erwähnt wird noch der Dudelsacks); einmal, und da galt es 
gewiss einer grossen Festlichkeit, werden auch Flöten, Harfen, Trom- 
meln und Trompeten genannt"). 
Bei einem höfischen Tanze ging es natürlich viel anständiger zu; 
1) Nith. VIII, 10 (HMS. II, 106); XXXV, 5 (ib. 123). 
2) Nith. XXXV, 14 (I-IMS. III, 216): Gewinstu danne ein wiegen, Töhterlin, 
so hilft uns niht unser beider kriegen. 
3) Goeli I, 4 (HMS. H, 78): Da. niuoz er den treialtrei Selbe zwelfte von der 
linden rumen. 
4) Tanh. III, 19 (ib. II, 85): Diu da niht anspringt, diu treit ein kint. 
5) Burkart von Hohenvels XI, 2 (HMS. I, 206): Uns treib uz der stuben hizze, 
Regen jagte uns ze dache; Ein altiu riet uns mit Wizze In die schiure nach ge- 
inache; 3: Diu viI sueze stadel wise.  Nith. XIII, 2 (ib. II, 111): Traget uz die 
schamel" unt die stuele, Heizt die schragen Vürder tragen. 
G) Sehenk Uolrich von Wintersteten IV, 50 (HMS. I, 147):- Schrient alle: heia 
hei! Nu ist der Seite enzwei.  Tanh. III, 21 (ib. II, S5): Des videlzeres seite der 
ist enzwei; IV, 31 (ib. II, 87): Nu ist dem videleere sin videlbogen enzwei. 
7) Goeli II, 2 (ib. II, 79): hute rueret ez der sumber slege.  Renner 12403: 
Denn der dem tantze Wonet bei, So getan spil ist der tugent hagel, Wenn einer 
mit eines pferdes zagel Streichet über vier schafes darm, Daz im sin vinger und 
sin arm Müder werden, denne 0b si heten Einen gantzen tach unkraut geten. 
Ouch ist der jungen meide traut, Der eines toden hundes haut Twinget, daz sie 
pellen muz. 
8) Renner 12417: Der pringt ein blasen und ein ror. Die blasen er drücket 
ze inang Stunde Hin und her vor einem munde, Daz im die packen donent da bi. 
9) Tanh. V, 27 (HMS. II, 27): Wa nu vloeter, herpfer, dar zuo tambureere   
Wa sint nu trunibuneere.
        

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