Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-999319
Verschiedene 
andre 
Spiele. 
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Das Haspilspil, das h. Georg 5'780 erwähnt wird1), ist wohl nur 
ein soherzhafter Ausdruck für das Betragen zweier Leute, die sich nicht 
recht einigen können. 
Das Riemenstechen, jenes bekannte Gaunerspiel, ist schon da- 
mals wohlbekannt, indessen ist es doch merkwürdig, dass Hugo von 
Tiimberg die Riemenstecher und die Kegler in eine Rubrik zu stellen 
scheint 2). 
Das Kugelspiel, Welches im Renner so reizend beschrieben wird 3), 
scheint mehr mit der Boccia Aehnlichkeit zu haben. Jeder bemüht 
sich, seine Kugel so nahe als möglich ans Ziel zu schieben, dann legen 
sich die Leute auf die Erde und messen die Distanz der einzelnen 
Kugeln; wer dem Ziele am nächsten ist, hat gewonnen. Um das Jahr 
1223 war im Kloster auf dem Lauterberge (jetzt Petersberg bei 
Halle) eine solche Sittenlosigkeit eingerissen, dass im Hause des Prop- 
stes Würfel-, Schach-, Dame- und Kugelspiele geduldet, ja sogar 
Wein und Meth verkauft wurden 4). 
Das Ballsclilagen War mehr bei den Jünglingen und Männern 
beliebt 5) (s. Fig. 95, nach Strutt, Sports and Passetimes, T. Vlll). Das 
Ballspielen stand aber auch bei den Damen in Gunst. Es kann zweifel- 
1) S0 eyns Wil dit, der ander das, Dem Wirt der kennnerer gehas Unnne ir 
beider haspilslail, Das he en darin niht lassen wil. 
2) Renner 10438: Meide, pitel, spiler, rostauscher, Absprecher und verreter, 
R-iemenstecher und kegler Wurden nie so grozze trugner, Als leider valsch geist- 
lich leute. 
3) Renner 11364: S0 zwen Scheiben zu einem ziL Lauffet die kugel iht ze vil, 
So wil einer uf haben den wint Und neigt sich nider als ein kint Und denet den 
niantel vaste nider. Darnach scheibet der andei- hin wider, Und ist der kugeln 
iht vil ze gach, S0 lzuufte er balde hinten nach Und schreit: lauffe kugel, vrauwe, 
Zauwe din, liebiu fmuwe, nu zauwe. Siht man die kugeln geliche ligen Gen dem 
zil, so Wirt genigen, Weiz got! vil michels tieffer (lar, Daune do man gotes sel- 
ber nimt war. Sie streckent sich nider üf den leip Zu der erden, als ein altez 
weip, Die lange würme peizzent, Si kristen und kreistent, Si mezzentlund mez- 
zent, Biz daz si gar vergezzent, Daz sie witzig leute sint. 
4) Chron. montis Sereni ad a. 1223: Mansio enim, quae curia Praepositi ap- 
pellalaatur, ipso quoque digrediente eo tempore quasi gymnasium fuit alea, scac 
chis, tesseris globisque ludentium, Ottone signifero, et quod his studiis conipete- 
bat, quodzun eius serviente vini vel medonis venalitatem instituente, quasi taberna 
luublica videbatur.  
5) Cröne 690: Sö sach man hie snellen Die knappen under in: Dise sluogen 
den bal hin, Jene schuzzen den sehaft.  Kaiserehron. 13117: Dö gevuogete iz 
gOt alsus, Daz der eine bruoder Aströläbius Unde andere sine genöze Spilden 
mit dem klöze. Den klöz er uf huop In ein aldez gemüre er in virsluoc.
        

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