Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-999175
Pilger. 
Hausirer. 
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tern auf einer „bihte verte" begriffen ist; alle tragen einen grauen Rock 
auf den1 blossen Leibe und gehen trotz des Schnees barfuss. 
Etienne von Bourbon erzählt von einem, der nach Jerusalem wall- 
fahrtete und dann auf der Rückreise in einem Wirthshause sich betrank, 
mit der Magd sich zu schaffen machte und dadurch die Frucht seiner 
nrühszunenVVallfahrt giixizlich verlor 1). Auch Sauladin machte die Mönche, 
die ihn zu bekehren gekommen waren, erst betrunken und liess sie 
dann durch schöne Weiber verführen 2). Andre Wallfahrer Wieder sin- 
gen unpassende Lieder und tanzen auf den Kirchhöfen und in den 
Kirchen, wie derselbe Autor erzählt, ja sie kommen verkleidet und auf 
hölzernen Pferden reitend selbst in die Kirche 3). So verband man 
schon damals die Sorge für das Seelenheil auch mit weltlichen Ver- 
gnügungen, und für Manche mag eine solche Wallfahrt eine ganz er- 
wünschte Lustpzrrtie abgegeben haben. 
Ein willkommener Gast war dann der Hausirer, der Schmuck- 
sachen für die Damen feil bot, und der jederzeit in Schlössern wie in 
Hiiusern freundliche Aufnahme findet. Die Dame de Fayel schlägt 
ihrem Liebhaber (dem Chastelain de Couci) vor, sie in dieser Verklei- 
dung zu besuchen. Er zieht sich Schnürstiefel und einen Rock aus 
"grobem Tuche an, setzt sich einen alten zerrissenen Hut auf, nimmt 
einen eisenbeschlagenen Wanderstab in die Hand und hängt sich seinen 
Korb mit den Waaren an den Hals. Auf der Bhrg angelangt, packt 
er seinen Kram aus; die Dame vom Hause und ihre Gefahrtinnen wäh- 
len aus und kaufen, und als nichts mehr zu handeln ist, schnürt er 
sein Bündel wieder zusammen (prist son fardel a trousser 6736) und 
will aufbrechen. Da es aber regnet, wird er im Schlosse über Nacht 
behalten und findet da Gelegenheit, mit der Geliebten zusammenzu- 
treffen 4). 
1) Anecdotes historiques    tiräs du recueil inädit dddltienne de Bourbon 
(T 1261) publ. p. A. Lecoy de 1a Mzurche. Pur. 1877. N. 193. 
2) ibid. N. 481. 
3) ibid. N. 194. 195. 
4) Chast. de Couci 6520: Dont säxpense (121, dame de Fayel) que tuit mercier 
Portent en bous lieus leur panier, Et en salles et en maisons Shmbatent en toutes 
Saisons. Nulz de luy ne se dom-oit gzmrde; 6530: Adont viegne en abit de mercier 
Ä son col laortant un panier; 6610: Panier quist et solers loiäs, Et houcette d'un 
burel griös, Et 11n vieäs chapel deschirä Et un petit bourdon ferrä Pour soutenir 
sous son panier, Si conme il convient in mercier; 6723: Iluec trouverent le mereier 
Et lor dame qui remuoit Les joiaus et les bargignoit: Aucuns aussi de szn mesnie 
Ont mainte chose bargignie Et li aucun ont achetä _Ce qui leur vint en volontä.
        

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