Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-999162
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Aussehen der 
Pilger. 
Lande zurück, dann trugen sie zur grösseren Beglaubigung noch eine 
Palme auf der Schulter 1), die sie dann in Abrahams Baumgarten in J e- 
richo abgeschnitten haben wollten 2). Auch beniihten sie ihren Rock 
mit Seemuscheln 3); dies sind wahrscheinlich die Kamm-Muscheln (pec- 
ten), mit denen heute noch italienische Pilger Rock und Hut verzieren 
und die wir auf den mittelalterlichen Darstellungen des Apostels Ja- 
cobus major oft angebracht finden. Die Palmenstöcke waren oft so 
stark, dass man ein Schwert in ihnen verbergen konnte 4). Gottfried 
von Strassburg schildert uns (Trist. p. 67, 23 ff.) zwei solche alte Wall- 
fahrer, die in leinenen, mit Muscheln benähten Kutten (linkappen) ein- 
hergehen, Hüte, leinene Hosen haben, welche bis auf die Knöchel 
reichen, aber den Fuss bloss lassen, endlich auf ihren Rücken Palmen 
tragen. Die Abbildung von zwei Pilgern s. bei Edw. Cutts, Scenes 
and Characters of the Middle Ages (Lond. 1872) p. 158. So durch- 
zogen die Pilger bettelnd 5) und von ihren Abenteuern erzählend das 
Land und waren selbst auf den Burgen gern gesehene Gäste, da sie 
mancherlei Wunderbares den gläubigen Zuhörern berichten, auch 
manche Nachricht von Freunden und Verwandten, die im heiligen 
Lande sich auf hielten, bringen konnten. Die Büsser, die nur eine kleine 
Strecke zurückzulegen hatten, sind nicht mit so vielen Geräthen aus- 
gerüstet, einfacher gekleidet. Parzival trifft 446, 10' am Karfreitage 
einen alten "Ritter, der mit seiner Gemahlin und seinen beiden Töch- 
vaut; p. 140, 4: Syn bedesfibff en moeste mede.  Frauend. p. 160, 13: Durch heln 
ich taschen unde stap Sä. nam (ein priester mif daz gap), Als ich ze Röme wolde 
varn.  Gaydon p. 295: Hueses enz jambes de diverse maniere. N'i an celui qui 
ait semelle antiere. 
1) Sal. u. Morolff 969: Einen growen kotzen det er an, Eynen pahnen uff 
den rucke, Eyn krucke er under syn achssel neun.  Aye dlävignon p. 56: Atant 
ez vous venu -j- pelerin paumier, Et 0h 1a barbe longue et feneströ le chief Et 
escharpe ä son col et  fust de paumier.  Ren. de Mont. p. 250, 10: 11 prist 
chape locue {x  graut chaperon, Et chauga  trebrls, puis a pris -j- bordon; Et 
les paumes au col et escreslae environ Bien smnble pelerin Kkmit geü en prison. 
2) Karhneinet p. 260, 3: Desen palme ind dessen staif Brengen ich mit mir 
her aff Ind neun sy zo lhericho, Dir sy Wassen alsus ho In Abrahams bungarde. 
Inde haen sy lange harde Verren Wech gedragen. 
3) Renner 13606: Vil müscheln und ouch spenglein Bedeckent managen hilg- 
rein, Der durch kaufschaz uz ist komen Mere danne durch der sele fronlen. 
4) Gr. Wolfdr. 708: Dm swert brach er uz der palmen.  Karhneinet p. 136, 
34: Karlle zoch do mit edlen Durendarde us dem staue. 
5) Karlmeinet p. 139, 18: Wir willen uns gemaches maessen 111d alle kost hee 
laessen Ind gaen in pilgryms w_yse Ind in den strzuessen bidden spysc.
        

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