Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-999146
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Aufnahme. 
Gastliehe 
Sobald die Gäste mit ihrer Toilette fertig waren, wurde ihnen 
etwas zu essen und zu trinken vorgesetzt1). Man konnte bestimmt 
annehmen, dass sie auf der Reise hungrig und durstig geworden Waren, 
und brauchte gar nicht erst zu fragen, 0b sie einer Erfrischung bedürftig 
waren. Ulrich von Lichtenstein erzählt (Frauend. p. 539, 27): "Ich sprach 
,und Welt ir ezzen iht? ,Swer vraget, der wil geben niht' Alsö 
sprach her Pilgerin"; und der hatte gewiss Recht. Im übrigen zierte 
man sich nicht erst lange: "Man sol dem Wirte lan Sin Willen, daz 
ist guot getanm). 
Die Gastfreundschaft eines Burgherren erbat Wohl kaum ein Rei- 
sender vergebens, ja er wurde mit grosser Herzlichkeit begrüsst und 
empfangen, zumal wenn er viel zu erzählen Wusste, einige Abwechse- 
lung in das einförmige Leben des vom Weltverkelu abgeschiedenen 
Schlosses zu bringen versprach. Durmars trifft, Wie der Dichter des 
gleichnamigen Romanes 9126 H". erzählt, auf einer Abenteuerfahrt mit 
einem Ritter zusammen, der mit Falken beizt; er erkundigt sich bei 
dessen Diener nach dem Namen seines Herrn. Ehe er sich aber dem- 
selben 
vorstellen 
kann, 
reitet 
der 
Ritter , 
Bruns 
Braulant, 
schon 
selbst auf ihn zu und ladet ihn freundlich ein, die Nacht bei ihm zu 
herbergen. Durmars nimmt dankbar dies Anerbieten an, und Bruns 
schickt sofort einen Diener voraus, um Feuer anzuzünden und alles 
zum Empfange vorzubereiten. Es ist schon Abend geworden, als sie 
in dem Schlosse anlangen; alle Diener begrüssen den Gast ihres Herrn, 
der jetzt erst den Fremden nach seinem Namen fragt. Es stellt 
sich heraus, (lass er Durmars schon früher einmal beherbergt hat, 
und er freut sich sehr, ihn wiederzusehen. Nachdem der Gast sich 
umgezogen und es sich bequem gemacht hat, lässt sein Wirth, um 
den Besuch zu ehren, seine Gemahlin und Tochter rufen, die bald, an- 
gethan mit ihren besten Kleidern, erscheinen, den Gast begrüssen und 
umarmen. Durmars erwidert höflich die Begrüssung und wird auch 
von den Damen wiedererkannt. Dann geht man zum Abendessen. 
Nach dem Mahle schenkt Bruns seinem Gaste eine neue Rüstung, die 
er ihm schon früher versprochen, und dann plaudern sie noch lange 
qui armä trespassoient. Adäs vesteiires avoient Pour chevaliers ou pour autrui; 
Selonc ce 0'011 väoit en lui Prestoit on chnscun vesteüre Et li gardoit on säur- 
meüre, Jusqu" im tant k'a,1er s'en devoit Et, si tost que armäs festoit, Reportoit 
cele robe arriäre Ou chambellans ou chzunberiäre. 
1) Mai u. Bäaü. p. 73, 13. 
2) Eree 348.
        

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