Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Das höfische Leben zur Zeit der Minnesinger
Person:
Schultz, Alwin
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-994665
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-995276
Palissaden. 
Burggraben. 
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Bezeichnungen „lices" l), denen das deutsche „letze"2) entspricht, 
„barres"3) ungefähr alle dasselbe, eine erste hölzerne Vertheidigungs- 
linie, bedeuten. Die oft erwähnten „Bretesches" sind die Holzthürme, 
Welche die Palissadenreihe ebenso beschützen, wie die Mauerthürme 
die Annäherung an die Courtine abwehren 4). Die Eingänge in dieses 
Palissadenwerk waren durch Thore abgeschlossen. Es scheint, dass 
man auch künstlich versteckte Wolfsgruben vor den Palissadeu an- 
brachte, in die die unkundigen Angreifer hineinstürzten, wenigstens 
dürfte die unten citirte Stelle so am leichtesten erklärt werden 5). S0 
lange es möglich war, wehrte man dem Feinde den Einlass in das 
Hämit und zog sich erst wenn der Widerstand fruchtlos war hinter 
die steinerne Vertheidigungslinie zurück. Aber die Einnahme dieses 
Vorwerkes galt doch schon immer als verhängnissvoll für die Ver- 
theidigung der Burg, und so kann der Dichter wohl den Vergleich 
wagen, als Königin Ginover, den dringenden Bitten eines Ritters nach- 
gebend, demselben eine etwas bedenkliche Freiheit gestattet hatte, 
dass, wie eine Burg meist verloren sei, wenn die Feinde das Hamit 
eingenommen, so auch ihr Widerstand gegen weitere Zärtlichkeiten 
des verliebten Ritters vergeblich sein werde Ü). Die eigentliche Ver- 
theidigungslinie begann mit dem BurggrabenT), der so tief wie irgend 
möglich gegraben wurde S), damit er nicht so leicht von den Angreifern 
zugeschüttet werden konnte. Denn nur wenn sie den Graben wenig- 
stens zum Theil gefüllt hatten, konnten sie die grossen Belagerungs- 
maschinen an den Fuss der Mauer heranbringen, und so lange ihnen 
1) Li bians desconneils 1939: Li pavillons an cief estoit. Devant unes lices 
avoit Mult bienßfaite de pels agusz Aguisies desos et desus. 
2) Pamz. 205, 12: Er holt 00h an ir letze en töt; 205, 18: Wie die burgaere 
Ir letze täten goulne. 
3) Guill. de Pzilerne 4991: Ja sont li mur fendu et frait Et; li fosse empli 
(Tatrzuit Si ont tot ars lor hordeis Barres et lices et palis.  Garin H, p. 41: Ses 
fosses fait et ses 11111138 redrecier Barres et lices oü seront li archier. 
4) Ann. Pisani 1157: Circumierunt totam urbem Pisanam et Kinticam ligneis 
turribns et castellis et britischis. 
.5) Rom. de Troie 17450: Font haltes tors et contrelnur Fossez et vals et 
desrubiers. 
B) Cröne 11683: Ginöver niht enkande, Daz ein burc Wirt gewunnen, S0 die 
biirg-pßre den vinden gunnen, Daz si mit vride hie vor Entsliezend daz bürgetor 
Und gehüsent in daz hämit, S0 ist bädenthalben ir strit Verendet vil schiere, Mit 
offener baniere. Die vinde dringent dar in. 
7) Ruolantsliet 343; Sie ketten uber then burhgraben. 
8) Wigal. p. 118, 8: Kömen si für daz bürgetor, D9, lägen wilde graben vor: 
Die wären HÖ freisliehen tief, Als ein man (lai- in rief Daz ez küme her üf hal. 
Schultz, nur. Leben. I. 2
        

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